Im beschaulichen Borsdorf gleich neben Leipzig gibt es neben dem Bebel-Liebknecht Haus oder der alten Fabrik des VEB Kunstleder Borsdorf auch noch andere Sehenswürdigkeiten, welche von ortsgeschichtlicher Bedeutung sind. So wie hier diese Villa in der Industriestrasse 1 des Ziegeleibesitzers Heinrich Anton Kretschmann, die eine Erfolgsgeschichte Borsdorfs erzählt.

ehemalige Villa des Ziegeleibesitzers Kretschmann in Borsdorf
ehemalige Villa des Ziegeleibesitzers Kretschmann in Borsdorf

Fabrik

Diese Geschichte begann bereits im 19.ten Jahrhundert, als Heinrich Kretschmann im Jahr 1873 eine Fabrik für Verblendsteine gründete. Jene war auf dem heutigen Standort des Opel-Autohauses beheimatet. Die Verblendsteine wurden auch nach Leipzig sowie andere umgebende Orte geliefert und hatten eine signifikante Bedeutung für das Baugeschehen vor allem im Leipzig. Um die immer höher werdende Nachfrage nach Steinen solcher Art befriedigen zu können, beantragte der Fabrikbesitzer Kretschmann am 4. Mai 1887 bei der Königlichen Amtshauptmannschaft Leipzig den Bau einer Feldbahn. Diese sollte von der Tongrube Sehlis über Panitzsch und Cunnersdorf bis zu den Verblendsteinwerken in Borsdorf führen. Im Dezember gleichen Jahres wurde dem Antrag nach eingehender Beratung mehrstimmig statt gegeben.

das einzige Überbleibsel der damals größten Fabrik in Borsdorf - die Villa von Heinrich Kretschmann
das einzige Überbleibsel der damals größten Fabrik in Borsdorf – die Villa von Heinrich Kretschmann

Unter verschiedenen Auflagen wie einer maximalen Geschwindigkeit von nur 10 Kilometern pro Stunde oder einem Fahrverbot bei Nacht erfolgte 1888 die technische Überprüfung sowie die Inbetriebnahme der Tonbahn.Mit einer Erweiterung der Tongrube auf Grund erhöhter Nachfrage der Kratschmannschen Produkte begannen allerdings die Probleme, da Fuhrleute einen angrenzenden Weg nicht mehr nutzen wollten und der Wirt in Sehlis mit Einbußen zu kämpfen hatte. Im Jahr 1914 wurde die Förderung des Tons schon eingestellt, da die Strecke durch Abrutschen der Böschung nicht mehr nutzbar war. 1915 wurde auch die Leipziger Amtshauptmannschaft über den Absturz der Böschung informiert und das durch in der Luft hängende Gleise der Straßenverkehr gefährdet sei. Die Böschung wurde durch Auffüllungen wieder stabilisiert, jedoch war das Ende der Tonbahn schon längst gekommen.

Im Jahr 1908 fiel die Verblendsteinfabrik von Heinrich Kretschamen als damals größtes Unternehmen in Borsdorf einem Großbrand zum Opfer. Wahrscheinlich endet die Geschichte der Fabrik um das Jahr 1919, denn leider kann ich im Netz nichts weiter dazu finden. Dennoch werden die bunten und hochfesten Steine noch an vielen Gebäuden in sowie um Borsdorf sehr lange sichtbar sein und als Vermächtnis der Ziegelei Kretschmann erinnern.

Villa Kretschmann in Borsdorf in der Industriestrasse
Villa Kretschmann in Borsdorf in der Industriestrasse

Villa

Achja, da ist ja noch die Villa, um die es natürlich hier hauptsächlich geht. Denn der Antrag der Verblendsteinwerke Kretschmann für die Genehmigung eine Villa zu bauen wurde schon im Jahr 1893 gestellt. Die eigentliche Errichtung dieser erfolgte im selben Jahr von 1893 bis 1894. Gebaut wurde ein malerischer Klinkerbau als zweigeschossiges Gebäude nach Plänen des Leipziger Architekten Richard Füssel, wobei natürlich auch hier die Steine aus eigener Produktion verbaut worden. Versehen mit einem aufwendigem Holzbalkon, einem Garten sowie von Zierfachwerk besetzt, wurde diese vom Fabrikbesitzer selbst bewohnt.

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