Hier im Leipziger Stadtteil Sellerhausen kann man noch einige Industriebauten und Denkmale aus der alten Zeit entdecken, wenn auch natürlich nicht so viele wie im Ortsteil Plagwitz, welcher bis heute ganze Bilder der Industrialisierung zeigt. So gibt es gleich neben dem alten VEB Galavanotechnik einige Gebäude, welche einst zu den Köllmann Werken gehörten und nicht abgerissen wurden und noch heute Bestand haben. Doch jetzt etwas zu diesem einst bedeutendem Unternehmen für Zahnräder, dessen Sitz sich in Torgauer Straße 74 befand.

Die ersten Jahre

Schon im Jahr 1904 gründete der Fabrikantensohn und Ingenieur Gustav Köllmann eine mechanische Werkstatt „Spezialfabrik zur Herstellung von geschnittenen Zahnrädern, Getrieben und verwandten Erzeugnissen“. Zum damaligen Zeitpunkt war der Betrieb, welcher ca. 10 Mitarbeiter beschäftigte, in der Leipziger Windmühlenstraße beheimatet. Man hatte sich damals schon auf die Produktion von Zahnräder spezialisiert. Schon damals hatte Köllmann in weiser Voraussicht erkannt, das der Bedarf auf Grund der steigenden Motorisierung steigen würde. Die hergestellten Zahnräder wiesen jedoch keine gute Qualität auf und man benötigte Maschinen, um bessere Produkte herstellen zu können. Diese konnte man jedoch nicht in der kleinen Hinterhofwerkstatt aufstellen und musste umziehen. Als Ort suchte man sich das ca. 1 Hektar große Gelände an der Torgauer Straße 74 heraus und errichtete dort den Firmensitz.

ab 1939 durch die Köllmann-Werke erbaut - 5 stöckiger Hochbau an der Torgauer Straße 74, ehemaliges Stadtarchiv
ab 1939 durch die Köllmann-Werke erbaut – 5 stöckiger Hochbau an der Torgauer Straße 74, ehemaliges Stadtarchiv

Ab 1905 und 1.ter Weltkrieg

Ab 1905 spezialisierte man sich auf auf die Herstellung von Präzisionszahnrädern, wobei der Name des Unternehmens schon 2 Jahre später 1907 in Zahnräderfabrik Köllmann GmbH umbenannt und 1912 in eine Familien Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Neben wenigen anderen Firmen hatte man das Monopol für qualitative Zahnradherstellung inne und lieferte während des ersten Weltkrieges Getriebe und Teile für den Lkw, Luftschiff- und U-Boot- Bau. Kurz nach dem 1.ten Weltkrieg gründete man im Jahr 1919 die „Köllmann Werkzeugfabrik GmbH Leipzig“, um den eigenen Bedarf an Verzahnungswerkzeugen decken zu können. 1935 wurde eine Zweigniederlassung für den Getriebebau, welche 1938 nach Liebertwolkwitz verlegt wurde. Schon ab 1927 wurden in Zusammenarbeit mit der deutschen Getriebegesellschaft die ersten synchronisierten Triebwagengetriebe für die Reichsbahn geliefert. 1931 übernahm der Unternehmer die von seinem älteren Bruder im Jahr 1911 in Langenberg/Rheinland gegründete Maschinen- und Zahnräderfabrik Wilhelm Köllmann Sohn.

ehemaliger Verwaltungsbau der Köllmann Werke in Sellerhausen an der Torgauer Straße 74
ehemaliger Verwaltungsbau der Köllmann Werke in Sellerhausen an der Torgauer Straße 74

2.ter Weltkrieg und DDR

Während man im Jahr 1939 mit rund 1500 Mitarbeitern produzierte, wurde der Entschluss für einen Neubau gefasst. Dabei entstand das noch heute stehende repräsentative 5 stöckige Gebäude an der Bahntrasse. Während des 2.ten Weltkrieges wurden die Fabriken verstärkt für die Rüstung genutzt und neben Produktionen von Getrieben für Kraftfahrzeuge, Flugzeuge und U-Boote wurden Werkzeugmaschinen hergestellt. Während des Krieges selbst und auch zum Ende waren keine nennenswerten Schäden an den Fabriken feststellbar. Noch vor der Verstaatlichung des Unternehmens 1948 wurde das Hauptwerk und die Werkzeugfabrik in der Torgauer Straße 74 und 80 kurz nach Kriegsende demontiert. Während das Werk in Sellerhausen dem VVB Land Sachsen Maschinenbau unterstellt wurde, ging die Zweigniederlassung in Liebertwolkwitz bereits 1946 in den Besitz der SAG für Maschinenbau.

Im Jahr 1958 wurden beide Betriebsteile jedoch zum VEB Fahrzeuggetriebewerk Joliot Curie Leipzig zusammengeführt. Schon kurz nach der politischen Wende wurde die große Produktionshalle 1992 abgebrochen und nur das Verwaltungsgebäude samt dem 5 stöckigem Hochbau blieben übrig. In letzterem war nach der Sanierung übrigens von 1994 bis 2019 das Leipziger Stadtarchiv beheimatet, welches sich jetzt im ehemaligen sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe befindet. Die Produktion an sich wurde übrigens nach der Wende bis zur Insolvenz 1998 als „Zahnradwerke“ nach Liebertwolkwitz weitergeführt. Ein Jahr später wurde 1999 die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH gegründet, welche noch heute am Standort Liebertwolkwitz bestand hat. Dort steht übrigens auch die 1912 erbaute Fabrikantenvilla, welche wahrscheinlich dem Chef selbst gehörte.

die Werke in der BRD

Sitz und Produktion der westdeutschen Köllmann Werke AG wurden im 1949 nach Langenhagen und im Jahr 1951 nach Düsseldorf verlegt. 4 Jahre später erfolgte die Übernahme durch die Maschinenfabrik Ernst Thielenhaus.

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