Buntgarnwerke Leipzig- Sächsische Wollgarnfabrik

Die ehemaligen Buntgarnwerke oder damals auch Sächsische Wollgarnfabrik genannt, war eine Spinnerei und ist heute ein geschichtlich bedeutender Gebäudekomplex im Leipziger Stadtteil Plagwitz.

Leipziger Buntgarnwerke - jetzt Elsterlofts in der Nonnenstrasse
Leipziger Buntgarnwerke – jetzt Elsterlofts in der Nonnenstrasse

Sächsische Wollgarnfabrik Tittel & Krüger

Mit dieser Firmierung fing zur damaligen Zeit alles an. Schon im Jahr 1869 wurden die beiden Herren C. A. Tittel und A. A. Krüger Teilhaber, betrieben zu diesem Zeitpunkt allerdings noch einen Handel mit Stoffen wie Garn oder auch Seide am Markt in der Messestadt.

6 Jahre später kauften die beiden, mit der damaligen Bezeichnung „Tittel und Krüger“, 1875 ein Grundstück an der Nonnenstrasse, mit der Absicht eine Dampffärberei zu gründen.
So wurde ein Baugrundstück erworben, das erste Gebäude errichtet und sogar schon im selben Jahr mit der Produktion begonnen.

Man muss sich vorstellen, dass das Gebiet direkt am kleinen Fluß Weiße Elster zur damaligen Zeit noch unbebaut war. Auch andere Gewerke, die hier kleine Bauten errichteten, pachteten ein Stück Baugelände von Tittel und Krüger.

Ab 1888 wurden auf dem Gelände weitere Gebäude in Backsteinarchitektur nach Plänen der beiden Leipziger Architekten Pfeifer und Händel, welche ab 1893 unter Händel und Franke firmierten, gebaut.

Während die Besitzer und Bauherren schon ein Jahr vorher 1887 die Sächsische Wollgarnfabrik Aktiengesellschaft gründeten, wurden die Gebäude, welche die heutigen die Elster Lofts bilden (damals Hochbau-West), als erster Bauabschnitt bis 1898 mit dekorativer Natursteingliederung fertig gestellt.

Im Zuge der Verlegung der Berliner Zentrale nach Leipzig wurden von 1906 bis 1908 weitere Gebäude errichtet. Der Hochbau-Süd kam als Stahlbetonbau auf der im Stadtteil Schleussig befindlichen Seite, also auf der anderen Seite der Weißen Elster, gegenüber hinzu.

Verbunden wurden beide Gebäude durch eine überspannende Gebäudebrücke im zweiten und dritten Obergeschoss, auf der Schleussiger Seite endet diese in der Holbeinstrasse Nummer 14.

Sächsische Wollgarnfabrik ab 1906

Der Hauptanteil der Aktiengesellschaft Sächsische Wollgarnfabrik wurde in eben genannten Jahr durch die Kammgarnspinnerei Bremen sowie der Norddeutschen Wollkämmerei aufgekauft, der Nordwollkonzern wurde damit begründet.

Durch eine Firmenübernahme wurde 1926 die Gummiwarenfabrik von Philipp Penin, die ebenso in der Nonnenstrasse beheimatet war, aufgekauft. Das angrenzende Gebäude ist auch heute kaum noch von den eigentlichen Tittel und Krüger Bauten zu unterscheiden, da auch Penin das Architektenbüro Händel und Franke beschäftigte.

Bis es im Jahr 1931 zum Konkurs der Konzerns kommt, bestimmen stabile Absatzmärkte und gute Wollpreise eine gute Konjunkturlage für das Unternehmen, weitere bauliche Maßnahmen konnten getroffen daher werden.

Ausserdem werden die Marken Stern, Schwan, und Taube bekannt mit Erzeugnissen, welche unter anderem auf Mohairwolle-, Zephir- und Kaschmirbasis in dieser Zeit hergestellt werden und geniessen Weltweit einen guten Ruf, nachdem sich die Fabrik Tittel und Krüger mit der Sternwollspinnerei Bahrenfeld zusammenschloss.

Buntgarnwerke Leipzig- Sächsische Wollgarnfabrik
Buntgarnwerke Leipzig- Sächsische Wollgarnfabrik

Kriegszeiten und Enteignung

Noch im zweiten Weltkrieg wird
die Produktion leicht verändert weitergeführt und zusätzlich zu den
Garnen werden Zellbahnstoffe sowie Kurzbastfaserkammgarne in den
Gebäuden hergestellt.

Ausseerdem wird ab 1943 die
Fertigung von Wollgarnen und anderem, der eigentlichen Hauptaufgabe der
Fabrik, fast gänzlich eingestellt und es werden neben Montagearbeiten
für die Geschützelektronik auch Niet- und Installationsarbeiten für den
Flugzeugbau durchgeführt.

Da am Gebäudeensemble zu Ende
des Krieges keine grösseren Schäden ersichtlich waren, konnte die
Produktion der Wollgarne schnell wieder aufgenommen werden. Bevor das
Unternehmen 1952 unter
unter dem Namen „VEB Leipziger Wollgarnfabrik“ in Volkseigentum überging, übernahm der Rat der Stadt Leipzig im Jahr 1951 das Unternehmen als Treuhandbetrieb.

Erst ab 1969 wurde das Werk an der Nonnenstrasse unter der endgültigen Bezeichnung  „VEB Buntgarnwerke Leipzig“ geführt, nachdem dieses im Jahr 1969 mit dem „VEB Sächsische Kammgarnspinnerei Coßmannsdorf“ zusammengeführt wurde.
Nachdem in den 70.ger Jahren die alte Färberei abgerissen und an selber Stelle eine neue errichtet wurde, erlangen die Buntgarnwerke 1978 die erste Goldmedaille auf der Leipziger Messe, worauf weitere nicht auf sich warten ließen.

Die Wende nach der Wende

Auch wenn dies etwas komisch klingt, aber die Wiedervereinigung brachte auch den Buntgarnwerken eine Veränderung. Denn schon kurz nach der Wendezeit wurde der volkseigene Betrieb 1990 in Buntgarnwerke Leipzig GmbH umgewandelt und die Produktion stand still.

Doch nicht nur diese, auch ein Jahr später wurde es in der Fabrik sehr leise, da die Produktion aus Kostengründen samt der dazugehörigen maschinellen Ausrüstung sowie der damit einhergehenden Entlassung vieler Mitarbeiter von der Treuhandgesellschaft nach Tschechien verlegt wurde.

1992 wurde das leider nunmehr ungenutzte Gebäudeensemble durch die Treuhand an die BUGA-Partners-Verwaltungs GmbH, welche sich aus dem Zusammenschluss von Erben gründeten, verkauft.

Ab dem Jahr 1993 begann mit der Sanierung die Wandlung der ehemaligen sächsischen Wollgarnfabrik zu Liftwohnungen, damit entstanden die Elster Lofts im damaligen Betriebsbahnhof und 1995 waren 139 der Wohneinheiten Bezugsfertig. Weitere 180 Eigentumswohnungen entstanden in den Folgejahren im Hochbau-West.

Ab 2001 bis in das Jahr 2013 hinein wurde der Hochbau-Mitte, das heutige Venezia Quartier, in verschiedenen Bauabschnitten umgebaut und saniert. Auch hier entstanden 115 Wohneinheiten sowie 10 Penthäuser.

Auch auf der anderen Seite der Weißen Elster tat sich etwas, die in der Hohlbeinstrasse befindlichen Gebäude gelangten 1998 an die Firma Atrium. Auch dort entstanden 145 Loftwohneinheiten, welche mit Preisen für die vorbildliche Sanierung gekürt wurden.

Alle dort geschaffenen Wohneinheiten, welche schnell Käufer fanden, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Somit kann man abschießend sagen, dass Leipzig Stolz auf dieses Industriedenkmal mit 100.000 Quadratmetern Geschossfläche und dem Titel Europas größter Gebäudekomplex der Gründerzeit recht stolz sein kann.

Auch auf dem Wasserweg kann man sich das beeindruckende Ensemble beiderseits von der Weißen Elster aus ansehen und einfach nur Staunen, was die Gründer hier geschaffen haben.

Infos gefunden bei.
sehr viele schöne Bilder und Informationen auf www.elsterlofts.de
auch Wikipedia hält sehr nützliche Infos über die Geschichte der heutigen Elsterlofts bereit https://de.wikipedia.org/wiki/Sächsische_Wollgarnfabrik

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