Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG Plagwitz

Die ehemaligen Fabrikhallen der damaligen Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG in Leipzig Plagwitz können eine lange Geschichte der Leipziger Industriekultur erzählen. Sie zählen hier in der Erich-Zeigner-Allee zwar nicht zu den Sehenswürdigkeiten der Messestadt, sind aber dennoch sehenswert.

ehem. Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG Leipzig Plagwitz
ehem. Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG Leipzig Plagwitz

Anfänge der Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG

Schon im Jahr 1880 gründete Paul Rudolph Eduard Stöhr, welcher aus Eisenach stammt und als Kaufmann tätig war, die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. KGaA in Kleinzschocher. Zu damaliger Zeit gehörte der heutige Stadtteil übrigens noch nicht zu Leipzig, da dieser erst 1891 eingemeindet wurde.

Nach 13 Jahren verlegte das Unternehmen 1893 seinen Firmensitz in die Erich-Zeigner-Allee, welche damals noch Kanalstraße hieß. Schon einige Zeit später expandierte das Unternehmen und es wurden 1889 Tochergesellschaften in New York sowie 1902 in Böhmen gegründet.

Gebaut wurden die heute teilweise verfallenen Fabrikhallen wie die Produktions- und Verwaltungsbauten, das Heizhaus, die Kelleranlage um 1900, erst um 1955 kam das Pförtnergebäude hinzu.

Übernahme anderer Unternehmen und Krieg

1911 wurde dem Unternehmen, welches schon vor dem 1.ten Weltkrieg 3000 Mitarbeiter hatte, die Kammgarnspinnerei C. F. Solbrig Söhne AG aus Chemnitz angegliedert und die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit hatte sich der Konzern zu einer der größten Industriebetriebe der Stadt entwickelt.

Denn noch bevor die Kammgarnspinnerei Gautzsch AG in Markkleeberg als Zweigwerk übernommen wurde, hatte Stöhr 1928 die Aktienmehrheit an der Leipziger Wollkämmerei inne. Auch der zweite Weltkrieg, bei dem auf Rüstungsproduktion umgestellt wurde, ging nicht spurlos an der Fabrik vorbei und somit wurde auf dem Gelände vieles zerstört.

ehemaliges Gelände der Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG Plagwitz
ehemaliges Gelände der Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG Plagwitz

Enteignung und DDR Zeiten als Volkseigener Betrieb

Gleich nach dem 2. Weltkrieg wurde das Unternehmen bei einem Volksentscheid im Jahre 1946 nach der Enteignung aus dem Handelsregister gelöscht. 1948 entstand der VEB Mitteldeutsche Kammgarnspinnerei oder kurz auch „Mika“, genannt.

Übrigens arbeitete Margarete Rupp, welche 1953 Initiatorin der Hockaufbewegung wurde, hier im VEB. Ein Zusammenschluß der „Mika“ mit dem VEB Sächsische Kammgarnspinnerei Coßmannsdorf  sowie der damaligen Wollgarnfabrik Tittel und Krüger zum Großbetrieb der Leipziger Buntgarnwerke, die in der Nonnenstraße beheimatet waren, erfolgte 1969.

Bis Mitte der 1970ger Jahre befand sich hier auf dem Firmengelände unter anderem das Zentrallager sowie die Blechverformungswerkstatt eben genannter. Doch die Textilindustrie war weiterhin bis in das Jahr 1992 hier beheimatet, da der VEB Leipziger Bekleidungswerke Vestis in den Hallen produzierte.

ehemalige Hallen der damaligen Kammgarnspinnerei Stöhr an der Limburger Strasse Leipzig Plagwitz
ehemalige Hallen der damaligen Kammgarnspinnerei Stöhr an der Limburger Strasse Leipzig Plagwitz

Nachwendezeit und die heutige Nutzung des Geländes

Nach der politischen Wende wurde das Firmengelände an einen Investor aus Köln verkauft, jedoch ging es auch hier von 1992 bis in das Jahr 2003 mit der Produktion weiter. Denn während Teile des Geländes vermietet wurden, produzierte die Firma Bernd Berger hier in diesem Zeitraum Bekleidung.

Nach der Anmeldung des Konkurs der Firma Berger wurde die Zwangsverwaltung der Gebäude durch das Amtsgericht Leipzig angeordnet.

Auch in der heutigen Zeit ist viel Leben in den alten Fabrikhallen eingezogen. Findige Unternehmer mieteten kurzerhand ganze Etagen des Gebäudes an der Limburger Strasse, Ecke Erich-Zeigner-Allee.

Daraus wurde in der 2.ten Etage Sachsens größte Pool Halle, die auf 3000 Quadratmetern mit Tischtennis, Poolbillard, Snooker, Kicker und noch vielem anderen auf die Gäste wartet. Auch für das leibliche Wohl der Gäste wird mit einer Bar sowie Speisen gesorgt. Das „Pool“ ist auch aus eigener Erfahrung immer einen Besuch wert.

Gleich nebenan wurde vor einiger Zeit der gleichnamige Pool-Garden eröffnet, eine Music Bar, die neben Live Musik auch Raum für Veranstaltungen bietet. Auch die Rotor Bikes, eine ganz individuelle Fahrrad Schmiede ist auf dem Gelände beheimatet.

Was wurde denn aus der Stöhr AG?

Nach der Enteignung im Jahr 1946 ging es für die Stöhr AG in Westdeutschland weiter. Eine Tatsache, welche eher eine Ausnahme als die Regel für damalige Zeiten darstellt.
Denn schon ab dem Jahr 1948 liefen die Maschinen der Aktiengesellschaft im heutigen Mönchengladbach wieder an, wobei ab 1953 in diesem Standort neu gebaut wurde. Leider ging 2010 mit der Auflösung der Firma ein Stück Geschichte zuende.

Quelle.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kammgarnspinnerei_St%C3%B6hr
beide Seiten am 05.02.2019 zuletzt besucht

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