Der Stadtteil Plagwitz hält für alle Fans der alten Industriebauten Leipzigs einiges bereit, da die Industriegeschichte gerade in diesem Viertel wie in keinem anderem Spuren hinterlassen hat. Dafür gibt es dort auch keine Sehenswürdigkeiten wie das Alte Rathaus in der Innenstadt, jedoch gibt es auch eines in diesem Ortsteil, der 1891 eingemeindet wurde. Ein alter Klinkerbau reiht sich an den nächsten, möchte man meinen und einige sind schon modernisiert. Dennoch gibt es sehr viele, welche eben noch nicht in den Genuss einer Sanierung unterzogen wurden und noch warten müssen. So wie die ausgediente Fabrikhalle der ehemaligen ehem. Eisen- und Maschinenhandlung von Hermann Törpsch.

ehem. Eisen- und Maschinenhandlung von Hermann Törpsch in der Naumburger Straße 25
ehem. Eisen- und Maschinenhandlung von Hermann Törpsch in der Naumburger Straße 25

Schon im Jahr 1888 gründet Franz Hermann Törpsch laut Akten ein Unternehmen für Hüttenprodukte, welche sich allerdings noch nicht an diesem Standort befand. Ganze 10 Jahre beginnen die Bauakten, welches die Bebauung für das Grundstück bezeugen. Im Jahr 1898 ließ Törpsch durch den Maurermeister Bettzieche eine Einfahrt nebst Einfriedung auf dem Grundstück an der Naumburger Straße 25 errichten. Eine Weile wurde dieses jedoch nur als Lagerplatz genutzt, bevor der Architekt Alfons Berger, welcher übrigens auch das Selters Haus projektierte, 1901 einen Entwurf für ein Gebäude im Jugendstil einreichte. Jener wurde hingegen aus verschiedenen Gründen durch den Bauinspektor Bastine abgelehnt.

Zeugnisse einer längst vergangenen Industriekultur in Plagwitz an der Naumburger Strasse
Zeugnisse einer längst vergangenen Industriekultur in Plagwitz an der Naumburger Strasse

Noch im September des selben Jahres wurde jedoch ein neues Projekt durch die Architekten Händel und Franke eingereicht, welches dann auch ausgeführt wurde. Somit entstand von 1901 bis 1902 ein 13 achsiges Fabrikgebäude mit 4 Geschossen und der Klinkerfassade als Metallwaren- und Maschinenlager, an dem 1901 durch Otto Ehrling ein Blitzableiter angebaut wurde. Platz im Gebäude fanden neben Wohneinheiten auch Dinge wie Pumpen, Elektromotoren oder auch Dampfmaschinen, mit denen gehandelt wurde. Die eigentliche Bauabnahme fand im Juni 1902 statt, wobei das Grundstück schon einige Jahre später and die Deutsche Kugellagerfabrik verpachtet wurde.

die alte Fabrik von Hermann Törpsch in Plagwitz, welche von 1901 bis 1902 errichtet wurde
die alte Fabrik von Hermann Törpsch in Plagwitz, welche von 1901 bis 1902 errichtet wurde

Diese ließ 1906 auf dem ca. 7500 Quadratmeter großen Grundstück einen Schornstein, ein Ofenhaus sowie einen Lokomobileschuppen errichten, welche 1911 durch neue ersetzt wurden. Auch eine Abortanlage wurde am Vorderhaus angesetzt. In den Folgejahren kaufte Törpsch bis 1936 neben dem Gebäude Nummer 24 auch das benachbarte Grundstück mit der Nummer 23 auf und ließ nach einem Umbau durch den Architekten Jacobi einen Durchbruch zur 25 machen. Nach dem 2.ten Weltkrieg wurde das Gelände als Lager- und Sammelstelle für Schrott und Altmetall unter der Firmierung „Eisenkontor Sachsen – Abteilung Schrott, Metalle und Maschinen vorm. Törpsch“ genutzt.

alte Industriebauten in der Naumburger Straße 25 - hier die ehemalige Fabrik der Maschinen- und Eisenhandlung Törpsch
alte Industriebauten in der Naumburger Straße 25 – hier die ehemalige Fabrik der Maschinen- und Eisenhandlung Törpsch

Im Jahr 1953 wurde das Unternehmen im Zuge der Kombinatsbildung in das VEB Schwermaschinenwerk S.M.Kirow eingegliedert und fand Nutzung als Lagerfläche sowie Verzinkerei. Nach der politischen Wende und dem Aus für die Plagwitzer Industrie kamen die Fabrikgebäude an den Münchner Investor Manfred Rübesam. Auch das Gebäude an der Naumburger Straße 25 wurde leider bis Juli 2020 noch keiner Sanierung unterzogen und verwahrlost zusehends. Kann man nur hoffen, dass sich für dieses jemand oder zumindest eine neue Nutzung findet.

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