Die Zeit der Industrialisierung hat im Leipziger Stadtteil Plagwitz mehr als nur eine Spur hinterlassen, und somit kann man auch noch heute viele Industriebauten sehen, die bereits liebevoll Restauriert und in den alten Zustand versetzt wurden. So wie diese damaligen Gebäude der ehemaligen Metallwarenfabrik Stoll & Elschner, welche heute als GIESSEREI 18 in diesem Stadtteil sehr bekannt sind. Lange und oft bin an den Häusern vorbei gegangen und habe überlegt, was hier wohl produziert wurde. Natürlich sagt der heutige Name am Objekt schon einiges, dennoch gibt es noch ein paar Dinge mehr, welche dort produziert wurden.

heute GIESSEREI 18 - einst als Metallgießerei errichtet, nach dem 2.ten Weltkrieg vom BBG genutzt
heute GIESSEREI 18 – einst als Metallgießerei errichtet, nach dem 2.ten Weltkrieg vom BBG genutzt

Gegründet wurde die Fabrik Stoll & Elschner laut verschiedener Werbeflyer wohl offenbar schon im Jahr 1890. Die Hauptgeschäftsstelle war in der Gießerstrasse 18 sowie 20. Es steht jedoch nirgends, ob die Firma in einem dieser 3 Fabrikgebäuden mit Klinkerfassade gegründet wurde. Laut der Liste der Kulturdenkmale in Sachsen wurden die Gebäude erst um 1905 errichtet. Produziert wurden in der Gießerei sowie Armaturenfabrik neben Dampfarmaturen für Dampfkessel auch Armaturen für Kraftfahrzeuge und Motore sowie Flugzeuge.

ehemalige Industriebautren in Plagwitz - damals errichtet durch die Metallgießerei und Armaturenfabrik Stoll & Elschner
ehemalige Industriebautren in Plagwitz – damals errichtet durch die Metallgießerei und Armaturenfabrik Stoll & Elschner

Auch aus Metallguss wurden laut Flyer offensichtlich „in allen Zusammensetzungen auch nach staatlichen Vorschriften“ Dinge im Hauptwerk produziert. Doch auch in der Naumburger Straße 38, um 1890 erbaut, wurden in der Maschinenfabrik verschiedene Erzeugnisse hergestellt. Die Hauptaufgabe bestand dort jedoch darin, Holzbearbeitungsmaschinen wie Band-, Kreissägen oder auch Fräsen sowie Hobelmaschinen für private und staatliche Betriebe zu produzieren. Auf einer Rechnung aus dem Jahr 1921 kann man sogar lesen, dass ein eigenes Zweiggleis der sächsischen Staatsbahn zum Unternehmen führte. Auf Grund des großen Erfolgs wurde die Firma Stoll & Elschner 1921 in SELP-Werke Aktiengesellschaft umfirmiert, welche jedoch im Jahr 1931 Erfordia Maschinenbau-AG übernommen wurde.

Stoll & Elschner Plagwitz Rechnung aus dem Jahr 1921
Stoll & Elschner Plagwitz Rechnung aus dem Jahr 1921 – Direktlink zur Seite http://digital.slub-dresden.de/id511992564

Kurz nach dem 2.ten Weltkrieg zog die Abteilung Werkzeugbau des Landmaschinenkombinates BBG in das Gebäudeensemble ein. Kurz nach der politischen Wende wurde die Fabrik geschlossen und stand für lange Zeit leer. erst um das Jahr 2010 wurde das Objekt interessant und in Zusammenarbeit mit den Planern von DENK Architekten Ingenieuren GmbH sowie der LESAX GmbH entstand ein wundervoller Standort, in dem verschiedene Firmen beheimatet sind. Dafür wurde jedoch die große Werkhalle im Hof abgerissen, um einen gemütlichen Innenhof zu schaffen. Übrig blieben die 3 noch heute vorhandenen Fabrikgebäude, aus denen die heutige GIESSEREI 18 wurde. In diesen stehen heute rund 2.800 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen zur Verfügung. Schön zu sehen, was man aus den alten Fabriken machen kann.

ehem. Metallgießerei Stoll & Elschner in Plagwitz
ehem. Metallgießerei Stoll & Elschner in Plagwitz

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