Der gehobene Leipziger Stadtteil Gohlis ist bekannt für seine prunkvollen Villen, die dort wohl gehäuft auftreten. So wie diese Villa des damaligen Musikverlegers Richard Linnemann hier, welche sich eher schon ausserhalb des Viertels in der Springerstraße 2 befindet. Und auch wenn das Gebäude am Kickerlingsberg eventuell nicht wie das Rathaus zu den Sehenswürdigkeiten der Messestadt gehört, hat es eine interessante Historie.

Eingangsportal zur Villa Linnemann am Kickerlingsberg
Eingangsportal zur Villa Linnemann am Kickerlingsberg

Nur unweit der Michaeliskirche am Nordplatz erwarb der Strumpffabrikant Heinrich Schaub im März des Jahres 1904 zwei Grundstücke am eben genannten Kickerlingsberg. Für die Projektierung des prächtigen Gebäudes wurde der damals renommierte und bekannte Architekt Emil Franz Hänsel beauftragt. Im Jahr 1909 wurde ein Gebäude im Reformstil der damaligen Zeit errichtet, welches durch die Marmorverkleidung sowie Bleiglasfenster heraussticht. Gut erkennbar sind die zusammengefügten Bestandteile wie der Vorbau im Eingangsbereich oder auch der große Speisesaal in einem halbrunden Vorbau hin zum Kickerlingsberg.

1909 errichtete Villa am Rande des Stadtteils Gohlis
1909 errichtete Villa am Rande des Stadtteils Gohlis

Aufgeteilt wurde das Gebäude in mehrere kleine Wohnungen in Keller- sowie Dachgeschoss für die Diener, die Privaträume befanden sich im Obergeschoss. In den Wirtschaftstrakt gelangt man durch einen gesonderten Eingang. Umbaumaßnahmen erfolgten im Jahr 1930, wobei hier die Diele durch eine Balkendecke in Etagen unterteilt wurde. 5 Jahre später wurde das Gebäude durch die Erben in ein Zweifamilienhaus umgestaltet und nach 1952 durch die Fachschule für Chemiewirtschaft weiter umgebaut. Wann der Verlagsbuchhändler Lindemann selbst oder mit Familie in das Anwesen einzog, konnte ich leider nicht finden, dennoch wurde das Gebäude nach ihm benannt.

Villa Richard Linnemann in der Springerstrasse 2
Villa Richard Linnemann in der Springerstrasse 2

Richard Linnemann lebte von 1874 bis 1932 und war Besitzer des bekannten Musikverlages Kistner & Siegel, welcher im Jahr 1923 durch die Verschmelzung der Verlage „C. F. W. Siegel“ sowie „Fr. Kistner“ entstand. Er besaß eine große Sammlung des Komponisten Wagners und setzte sich sehr für die Werke dessen ein. Als Vorsitzender des Vereins der Buchhändler der Stadt war er ein großer Förderer der Deutschen Bücherei.

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