Das Leipziger Waldstrassenviertel ist bekannt für seine hochpreisigen und ebenso pompösen Villen, welche sich in jenem Stadtteil nahe des Zentrums befinden. Und genau diese Villa, in der es in diesem Beitrag geht, gehört fast zu den ersten Bauten vor den Toren der Stadt, die hier im damaligen Gründerzeitviertel errichtet wurden. Doch die Geschichte des Bauwerks ist gleichfalls spannend und eindrucksvoll, auch wenn sie nicht mit den großen Sehenswürdigkeiten der Messestadt wie dem Alten Rathaus oder dem Völkerschlachtdenkmal mithalten kann.

Villa Carl Linnemann im Waldstrassenviertel
Villa Carl Linnemann im Waldstrassenviertel

Jene Geschichte beginnt bereits Anfang des 19.ten Jahrhunderts, als der Tuchhändler und Kaufmann Carl Linnemann von Hessen in die Messestadt zog und in der Katharinenstraße ein Geschäft mit hochwertigen handgewebte Seidentüchern betrieb. Dieser erwarb Schwägrichens Gartenland, welches vor den Toren der Stadt lag und später auch als Linnemanscher Garten bekannt wurde. Diese Fläche schloss neben der die heutigen Leibnizstraße auch Bereiche der Gustav-Adolf-Straße ein. Familie Linnemann ließ verschiedene Villen in diesen Abschnitten errichten, so wie diese. Jene hier in der Gustav-Adolf-Straße 19 wurde ca. um 1859 im Stil des Klassizismus erbaut, wobei Maurermeister Leibold sowie Zimmermeister Bauer Planung sowie den Bau an sich übernahmen. Errichtet wurde ein freistehendes 2 geschossiges Gebäude mit Walmdach, welches sich in Ecklage befindet. Ganz markant sind die echten Sandsteinverzierungen, die sich über dem Hauseingang befinden. Der Verkauf von Immobilien lief offenbar so gut, dass die Familie im Jahr 1870 den großen Musikverlag Kistner & Siegel, welcher 1823 begründet wurde, erwerben konnten. Übrigens besaß auch Sohn Richard ein Gebäude in der Springerstraße in der Nähe des heutigen Zoos.

Villa Carl Linnemann wurde um 1859 errichtet
Villa Carl Linnemann wurde um 1859 errichtet

Nach einigen Besitzerwechseln war der Kaufmann Christian Hinkel ab 1919 Eigentümer des Gebäudes und bewohnte lange das Untergeschoss, wobei oben die Büros für dessen Geschäft, eine Kohlengroßhandlung, genutzt wurden. Eine Zweigstelle der Städtischen Gebäudewirtschaft war zu DDR Zeiten im Gebäude beheimatet, wobei am Objekt selbst nichts getan wurde. Doch mit dem Verfall der heute unter Denkmalschutz stehenden Substanz wurde dieses nach der politischen Wende unbewohnbar und erfuhr erst im 2006 eine komplette Sanierung nach 145 Jahren. Für diese wurde im gleichen Jahr der Hieronymus-Lotter-Preis für Denkmalpflege durch die Kulturstiftung verliehen.

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