Thomaskirche Leipzig

Die Leipziger Thomaskirche im gleichnamigen Thomaskirchhof ist die zweitälteste Kirche der Stadt und neben der Nikolaikirche eine der Hauptkirchen in der Messestadt. Als Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs zählt die Kirche zu den besonderen Sehenswürdigkeiten und als Besucher muss man sich diese zumindest einmal angesehen haben.

Thomaskirche Leipzig
Thomaskirche Leipzig

Vorgängerbauten und Geschichte der Thomaskirche

Schon im 12.ten Jahrhundert wurde unsere Thomaskirche als sogenannte Marktkirche, damals noch als drei­schiffige Pfeiler­basilika und ohne Quer­haus, an gleicher Stelle errichtet. Diese wurde 1213 als Stiftskirche St. Thomas durch den Markgrafen von Meißen an das gleichnamige Augustinerkloster übergeben.

Übrigens erhielt die Kirche ihren Namen durch die Begebenheit, dass der Minnesänger Heinrich von Mohrungen dem Stift eine Reliquie des Heiligen Thomas aus Indien anlässlich seines Ein­trittes als Geschenk mitgebracht haben soll.

Im Jahr 1412 fiel der Kirchturm ein und wurde erst viel später wieder aufgebaut, da das Gebäude zusehends verfiel und auch Reparaturen in 1355 nur kläglich halfen. Hierbei wurde der romanische Altarraum im Stil der Gotik umgestaltet. Doch ich möchte eben noch ein paar Jahre zurück gehen, denn sehr interessant finde ich, dass 1409 die Gründung der Leipziger Universität hier im Thomaskloster statt fand.

Neubau des Langschiffes und weitere Umbauten bis zur heutigen Zeit

Nachdem 1482 das romanische Kirchenschiff abgebrochen wurde, baute man bis 1496 das Kirchenschiff als spätgotische Hallenkirche neu, wobei die Stadtmauer dafür verlegt werden musste. Die feierliche Weihe fand am 10.04.1496 durch den Bischof von Merseburg statt.

Der Turm erhielt seine heutige Gestalt erst 1702 durch den Ratsmaurermeister Gregor Fuchs, wobei dieser schon im Jahr 1537 erbaut wurde. Den jetzigen Namen „Thomaskirche“ errang das Gebäude erst nach der Auflösung des Thomasklosters 1541. Ganz wichtig ist natürlich dabei zu bemerken, dass der berühmte Thomas Luther zur Einführung der Reformation hier 1539 predigte.

Über die nächsten Jahrhunderte fand so manche bauliche Veränderung am Gebäude statt, wobei die einschneidenste wohl die Renovierung in den Jahren 1884 bis 1889 mit sich brachte. Dabei wurde die gesamte Ausstattung der Barockzeit entfernt und in einen neugotischen Stil verwandelt, so wie wir es heute vorfinden. Auch das aufgesetzte Mendelssohn Portal an der Westfront wurde in dieser Zeit angebaut.

1806 wurde die Kirche als Munitionslager durch napoleonische Truppen verwendet und in den Jahren der Völkerschlacht 1813 sowie 1814 wurde ein Lazarett hier eingerichtet.
Im 2.ten Weltkrieg wurden dem Sakralbau bei Luftangriffen 1943 Schäden durch Brandbomben am Turm zugefügt.
Ab 1991 wurde das Kirchengebäude einer umfassenden Instandsetzung sowie Restaurierung unterzogen, welche im Jahr 2000 abgeschlossen waren und die feierliche Einweihung im Bach-Jahr statt fand.

Zur Architektur kann man sagen, dass die Kirche eine Gesamtlänge von 76 Metern, wobei schon die Länge des Schiffes 50 Meter beträgt, und der schon von markante sechseckige Turm eine Höhe von 68 Metern aufweisen kann. Als ungewöhnlich kann man das Dach darstellen, da es mit einem Neigungswinkel von 63° als eines der steilsten Giebeldächer Deutschlands gilt.

Innenraum, Glocken und Orgeln

Besonders prächtig zeigt sich der Innenraum des Gotteshauses im Thomaskirchhof, denn nicht nur der Altar ist aus den verschiedenen Eporen erhalten geblieben.
Der neugotische Jesus Altar wurde 1888 nach einem Entwurf von Constantin Lipsius angefertigt. Er steht heute wieder im Altarraum, nach dem er 53 Jahre in der Petzoldt-Sakristei verweilte.

Der Taufstein aus Marmor und Alabaster wurde in den Jahren 1614 sowie 1615 durch den Bildhauer Franz Döteber geschaffen und 2009 restauriert. Ansehen sollte man sich ebenfalls die Epitaphen bzw. Grabplatten, auf denen man zum Beispiel Nickel Pflugk, der 1482 starb, oder auch den Ritter Hermann von Harras, welcher 1451 verstarb.

Interessant ist ebenfalls zu erfahren, dass im Glockenturm 4 große Glocken erklingen. Hierbei ist die größte und älteste Glocke „Gloriosa“ von großer Bedeutung, denn diese wurde schon 1477 durch Theodericus Reinhard gegossen und hat ein Gewicht von 5.200 kg. Geläutet wird diese nur an hohen Festtagen.
Weiterhin sind die zwei kleineren Glocken zu nennen, welche in den Jahren 1574 durch Wolf Hillinger und weiterhin 1634 als Mönchs- oder Beichtglocke durch Jakob König gegossen wurden. Die vierte historsische Glocke, welche zum Gebet läutet, wurde 1585 durch  Christophorus Gros geschaffen.

In der Kirche befinden sich heute 2 große Orgeln. Die Sauer-Orgel auf der Westempore, welche in den Jahren 1885 bis 1889 durch den Orgelbauer Wilhelm Sauer erbaut wurde und an dieser Stelle ebenso den Thomanern als Chorempore dient. Nach einer Restaurierung bis 2005 besitzt diese jetzt wieder den Originalzustand aus dem Jahr 1908.

Die Woehl-Orgel befindet sich als zweite große Orgel auf der Nordempore gegenüber des Bach Fensters und wird auch als Bach-Orgel bezeichnet, da sie maßgeblich der Wiedergabe von Johann Sebastian Bachs Werken dient. Erschaffen wurde diese im Bachjahr 2000 durch den Orgelbauer Gerald Woehl aus Marburg.

Thomaskirche im Thomaskirchhof Leipzig
Thomaskirche im Thomaskirchhof Leipzig

Thomanerchor und Denkmal für Johann Sebastian Bach

Ganz entscheident, nicht nur für unsere heutige Zeit, ist die Tatsache, dass der weltweit bekannte Thomanerchor hier in der Thomaskirche schon im Jahr 1212 gegründet wurde. Der Knabenchor, welcher seine Heimstätte in der Kirche hat, zählt zu den ältesten Chören überhaupt. Mit seinen wöchentlichen Motetten an jedem Freitag sowie Samstag blickt der Chor auf eine mehr als 800 Jahre alte Tradition zurück.

Große Berühmtheit erlang der Chor allerdings durch einen seiner bekanntesten Kantoren. Die Rede ist von keinem geringeren als von Johann Sebastian Bach, der die Kirche wohl als seine Hauptwirkungsstätte bezeichnen konnte. Dieser wirkte hier als Thomaskantor von 1723 bis 1750 und hinterließ dort seine Spuren.

Er bewegte die Musikgeschichte als Kantor neben Felix Mendelssohn Bartholdy in der Kirche über eine lange Zeit wie kein anderer und wurde deshalb so verehrt. Aus diesem Grund setzte man ihm ein Denkmal direkt vor dem Gebäude. Und nicht nur das, auch die Gebeine Bachs befinden sich auf Grund seines Schaffens sowie anlässlich seines 200. Todestages seit 1949 im Chorraum unter einer Bronzeplatte.

Das Bach-Denkmal wurde schon etwas früher, nämlich im Mai 1908, eingweiht. Es befindet sich ebenso im Thomaskirchhof und besteht aus einer 2,45 Meter hohen Bronzestatue, welche vom Bildhauer Carl Seffner entworfen wurde.

Turmführungen

Auch die Möglichkeit, sich einmal den 500 Jahre alten Dachstuhl anzusehen sowie einen tollen Ausblick über ganz Leipzig zu erhaschen, besteht natürlich. Dafür sollte man sich von April bis Ende November unbedingt etwas Zeit nehmen.

  • Samstags um 13.00, 14.00 und 16.30 Uhr (nach der Motette)
  • Sonntags um 14.00 und 15.00 Uhr
  • Eintrittpreis –  3,00 Euro pro Person (Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei)

Der Thomasshop direkt neben der Kirche hält neben Büchern, Textilien und Schmuck auch CDs sowie DVDs für alle Gäste bereit, die sich eine Erinnerung mitnehmen möchten.

Veranstaltungen und Gottesdienste

Der Eintritt zu den Gottesdiensten an den Sonn- sowie Feriertagen ist für alle Besucher frei, wobei hier neben Kirchenmusik mit dem Thomanerchor auch Gastensembles oder Solisten gehört werden können.

Die Motetten gemeinsam mit dem Thomanerchor werden in der Regel Freitags um 18.00 Uhr sowie an den Samstagen um 15.00 Uhr aufgeführt. Zu Weihnachten und Silvester gibt es spezielle Motetten um 13.30 Uhr.
Der Eintritt kostet hierbei pro Person 2 Euro, währenddessen Kinder, Schüler und Leipzig-Pass-Inhaber freien Eintritt haben.

Quelle.
www.thomaskirche.org
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomaskirche_(Leipzig)

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