Stelzenhaus Leipzig und das Schiff MS Weltfrieden

Eines der wohl bekanntesten Leipziger Industriebauten aus der damaligen Zeit befindet sich im Stadtteil Plagwitz, in dem sich ja bekanntlich sehr viele Gebäude aus der Epoche der Industrialisierung befinden. Das berühmte Stelzenhaus am Karl-Heine-Kanal kann eine ganz eigene Geschichte erzählen und gehört zu den architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Blick vom Stelzenhaus auf Brücke und das Fahrgastschiff MS-Weltfrieden
Blick vom Stelzenhaus auf Brücke und das Fahrgastschiff MS-Weltfrieden

Jene Geschichte dieses Bauwerks begann jedoch schon viel früher mit Gründung der Firma Grohmann & Frosch durch die beiden Herren Wilhelm Frosch und Rudolph Grohmann im Dezember 1888. Zu diesem Zeitpunkt hatte man etwas weiter weg vom jetzigen Gelände, welches einen privaten Gleisanschluss besaß, schon kleine Produktionshallen für ein Wellblechwalzwerk und eine Verzinkerei errichtet. Um eine Zufahrt zur Weißenfelser Straße zu bekommen, erwarb das Unternehmen einige Zeit später noch das Grundstück an der Uferböschung des Karl-Heine-Kanals. Aufgrund des Platzmangels kaufte man um 1914 noch den Abhang selbst dazu. Ein erster Entwurf für eine Bebauung auf diesem Areal, wie sie der Architekt Hermann Böttcher einreichte, wurde abgelehnt und musste überarbeitet werden.

Aufschrift "Restaurant im Stelzenhaus" - rechts die MS-Weltfrieden
Aufschrift „Restaurant im Stelzenhaus“ – rechts die MS-Weltfrieden

Als 2.ten Entwurf reichte Böttcher eine Art Pfahlbau als Lagerhalle ein, welcher ebenfalls durch etliche Institutionen wie die Stadtpolizei sowie Stadtplanung der Stadt kritisiert wurde. Da das Unternehmen Grohmann & Frosch nicht nur Rumpfbleche für den U-Boot- und Flugzeugbau für die Rüstung produzierte, genehmigte Oberbürgermeister Rudolf Haake im September 1937 den Bauantrag. In den Jahren 1937 bis 1939 wurde das markante Industriedenkmal als Stahlbetonkonstruktion errichtet, wobei das gesamte Objekt aus 2 Hallen, einem Verbindungsbau, einer Plattform und einem Bürogebäude besteht. Der Bau steht auf 101 Betonpfeilern, welche jeweils eine Größe von 1 x 1 Metern besitzen. Doch auch die Forderungen an den Luftschutz aus dieser Epoche trugen zu diesem einzigartigen Design des Gebäudes am Kanal bei. In den verschiedenen Bereichen des Bauwerks, auch neben und zwischen den Betonpfeilern, sind genügend Räume für Personen vorhanden.

Blick auf das Stelzenhaus von der Weißenfelser Brücke
Blick auf das Stelzenhaus von der Weißenfelser Brücke

Allerdings wurde nicht allzu lange in der Fabrik produziert, denn nach Kriegsende wurde das Gebäude durch den VEB Bodenbearbeitungsgerätewerk bis zum Ende der DDR genutzt. Schon kurz nach der Wiedervereinigung stand das Stelzenhaus nach 1990 leer und es kehrte für einige Jahre Ruhe ein. Erst um die Jahrhundertwende wurde das Gebäude wieder interessant und die Restauration der ehemaligen Wellblechfabrik und Verzinkerei stand an. Die Planung hierfür wurde vom renommierten Leipziger Architekturbüro Weis & Volkmann durchgeführt. Während die liebevolle Wiederherstellung des Gebäudes in den Jahren 2001 bis 2003 statt fand, wurde die äussere Gestalt des Bauwerks beibehalten. Jedoch wurden Klinkenfassade sowie Betonteile gereinigt und das Dach saniert. Neben dem Büro der Architekten selbst entstanden weitere Ateliers und 4 Wohneinheiten.

Industriedenkmal Stelzenhaus Plagwitz und das Schiff MS Weltfrieden - hinten links das Gebäude der Wellblechfabrik Grohmann & Frosch
Industriedenkmal Stelzenhaus Plagwitz und das Schiff MS Weltfrieden – hinten links das Gebäude der Wellblechfabrik Grohmann & Frosch

Für die Restaurierung der Baulichkeit wurden die Architekten nicht nur mit Leipzigs Architekturpreis sowie dem Hieronymus-Lotter-Preis im Jahr 2003 und 2004 ausgezeichnet. Auch der Sächsische Staatspreis für Baukunst wurde für die tolle Renovierung verliehen. Ein Restaurant war bis zum 2020 im Gebäude beheimatet, wurde jedoch geschlossen. Das Haus fungiert ausserdem als Heimathafen für das Fahrgastschiff MS-Weltfrieden, dessen Touren über die Flüsse der Stadt hier starten und ebenso enden. Über viele Jahre war das gleichnamige Restaurant im Gebäude beheimatet, welches seine Pforten allerdings Anfang 2020 aus unbekannten Gründen schloss. Beginn 2021 mietete sich das Start-Up-Unternehmen „The Nu Company“, welches Schokoriegel herstellt, in die ehemaligen Räume ein.

Blick vom Stelzenhaus auf Karl-Heine-Kanal und Richtung Plagwitz
Blick vom Stelzenhaus auf Karl-Heine-Kanal und Richtung Plagwitz

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