Das Leipziger Stadthaus ist sozusagen ein Erweiterungsbau des Neuen Rathauses, befindet sich am Burgplatz Nummer 1 und ist seit 1912 Sitz eines Teils der Leipziger Stadtverwaltung. Beide Gebäude, Rat- und Stadthaus, sind durch eine Brücke verbunden, wobei erstgenanntes später gebaut und verbunden wurde.

Stadthaus Leipzig am Burgplatz 1
Stadthaus Leipzig am Burgplatz 1 – dahinter das TRIAS-Haus, welches 2014 fertigestellt wurde

Bau und Geschichte

Auf Grund des raschen Wachstums Leipzigs und des Platzmangels der Stadtverwaltung im Neuen Rathaus plante man ein weiteres Gebäude mit 7 Stockwerken. Dieses wurde in den Jahren 1908 bis 1912 nach Entwürfen Architekten Hugo Licht, welcher auch schon das Neue Rathaus plante, erbaut. Das Stadthaus bietet eine Gesamtfläche von 7695 Quadratmetern in mehr als 300 Räumen und zeigt sich als Verwaltungsneubau weniger pompös als das angrenzende Rathaus, wobei die Aussengestaltung mit Ziegelmauerwerk mit Verblendern in Muschelkalkstein versehen wurde. Das Gebäude mit einem 5 seitigem Grundriss besitzt 2 Innenhöfe, wobei im größeren der beiden ein Kesselhaus steht.

Hugo Licht musste die Baupläne auf Grund schlechter Finanzlage der Stadt mehrfach überarbeiten. Auch im inneren kommt das Gebäude eher sparsam daher. Dennoch wurden mehrere Leipziger Bildhauer wie Ludwig Sauer oder Mathias Stephan beauftragt, um den Aussenbereich mit schönen Verzierungen sowie bauplastischem Schmuck zu gestalten. Der Bauschmuck an der zweigeschossigen Gebäudebrücke zwischen beiden Gebäuden wurde nach Vorgaben des Bildhauers Georg Wrba gestaltet.

2 geschossige Verbindungsbrücke zwischen Stadt- und Neuem Rathaus - oft als Beamtenlaufbahn verschrien
2 geschossige Verbindungsbrücke zwischen Stadt- und Neuem Rathaus – oft als Beamtenlaufbahn verschrien

Auch im inneren des Gebäudes konnte Licht als Architekt nicht aus dem vollen Stadtsäckel schöpfen und musste auch dort sparen. Hier wurde großer Wert auf das Eheschließungszimmer gelegt, welches besonders ausgeschmückt ist. Für die Einrichtung dessen wurde sogar der Leipziger Hofmöbelfabrikant und Hofdekorateur Carl Müller & Co. beauftragt, am Ende des Aufgang der Trautreppe befindet sich ein Brunnen aus poliertem Juramarmor und dekorierter Kachelverkleidung. Die Brücke zwischen beiden Gebäuden wird als Lotterstraße benannt, im Volksmund jedoch auch mit dem Titel „Beamtenlaufbahn“ versehen.

Leipziger Stadthaus neben dem Neuen Rathaus - nicht nur das Standesamt ist im Gebäude beheimatet
Leipziger Stadthaus neben dem Neuen Rathaus

Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt, jedoch wieder aufgebaut. Neben den vielen städtischen Institutionen wie dem Amt für Statistik und Wahlen oder anderen ist vor allem das Standesamt im Stadthaus beheimatet. Einen gesonderten Zugang vom Martin-Luther-Ring besitzt der kleine und der große Trausaal, welche seit dem Jahr 1911 genutzt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.