Auch im Leipziger Stadtteil Reudnitz-Thonberg gibt es einige Industriebauten sowie alte Fabriken aus der Zeit der Industrialisierung in der Stadt. Eines davon ist mit großer Sicherheit das sogenannte Schraderhaus am Täubchenweg 26. Für mich ein Gebäude, dem man sein eigentliches Alter eigentlich garnicht richtig ansieht und dennoch kann jenes eine bewegende Geschichte erzählen.

Das Schraderhaus am Täubchenweg 26 (links) wurde 1911 sowie 1912 durch den Unternehmer Wilhelm Schrader als Druckereigebäude erbaut - bis 2022 soll dieses zur Oberschule umgebaut werden
Das Schraderhaus am Täubchenweg 26 (links) wurde 1911 sowie 1912 durch den Unternehmer Wilhelm Schrader als Druckereigebäude erbaut – bis 2022 soll dieses zur Oberschule umgebaut werden

Doch die Historie des Unternehmers Wilhelm Schrader beginnt schon viel früher um das Jahr 1890 mit einer Firmengründung der Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich die Produktionsstätte allerdings noch an einem anderen Standort. Erst in den Jahren 1911 sowie 1912 wurde das heutige Haus am Täubchenweg nach Entwürfen der beiden Architekten Wetzold und Beyer als Druckereigebäude errichtet. Erschaffen wurde ein Bauwerk in Stahlbetonbauweise mit gelber Klinker-Putz-Fassade, welches sich auf einem U-förmigen Grundriss. Die ehemalige Fabrik bietet heute auf 7 Etagen eine Geschossfläche von ungefähr 13.200 Quadratmetern. Als Besonderheit sind neben den wundervollen Schmuckgiebeln die beiden 180-Grad-Glasdachkuppeln auf den beiden äußeren Gebäudeecken zu nennen, welche von oben besonders gut zu sehen sind. Ab dem Jahr 1912 war neben der Schraderschen Briefumschlagfabrik auch ein Teil des Otto Spamer Verlages, zumindest bis 1921, im Haus beheimatet, wobei im Parterre neben dem Verlag sowie Lager auch die Binderei sowie ansässig war.

Schrader-Haus im Stadtteil Reudnitz-Thonberg - hier ein Eingang in der Baedekerstrasse
Schrader-Haus im Stadtteil Reudnitz-Thonberg – hier ein Eingang in der Baedekerstrasse

Im 2.ten Weltkrieg kann man über das Objekt keine großen Schäden vermelden und somit konnten die Arbeitsabläufe ohne große Probleme weitergeführt werden. Im Jahr 1972 erfolgt letztendlich die Verstaatlichung der Firma Gebr. Schrader KG, wobei man schon ein Jahr früher 1971 den letzten Eintrag dieser im städtischen Telefonbuch wahrnehmen kann. Während der DDR – Zeiten sind noch andere grafische Betriebe sowie Unternehmen wie der VEB Messedruck oder auch eine Filiale von Interdruck im Haus beheimatet. Kurz nach der Wende gingen die Druckereimaschinen aus und die Produktion mit der Schliessung 1990 beendet. Doch es blieb nicht lange still, denn schon ein Jahr später wurde Schraders Haus aufwendig saniert und zwar bis 1994. Eingerichtet wurden neben Wohnungen auch Gewerbeflächen sowie Räumlichkeiten für die Gastronomie im Untergeschoss. In diesem war 12 Jahre lang die Szenekneipe 4rooms beheimatet, welche Anfang 2018 schliessen musste. Grund war ein neuer Eigentümer, der das Objekt schon im Jahr 2016 erwarb und die Mietverträge kündigte. 2018 kaufte die Stadt Leipzig selbst das Gebäudeensemble für einen Preis von 10,3 Millionen Euro und plant, das Bauwerk in eine Oberschule umzubauen. Bis 2022 soll die Immobilie so renoviert werden, dass bis zu 840 Platz darin finden können. Visavis davon befinden sich die 125. Oberschule sowie Grundschule, welche gemeinsam mit dem renovierten Bau zu einem Campus zusammengefasst werden könnten.

Schraderhaus am Täubchenweg im Jahr 2020 - einst als Druckereigebäude errichtet
Schraderhaus am Täubchenweg im Jahr 2020 – einst als Druckereigebäude errichtet

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