Auch im rund 20 Kilometer entfernten Eilenburg, welches in Nordsachsen liegt, gibt es einige schöne Dinge zu sehen. Bei einem Ausflug in die Stadt an der Mulde kann man sich neben dem Tierpark oder der Sternwarte auf dem Mansberg auch alte Bauwerke der Stadt ansehen. Manche Gebäude sehen auf den ersten Blick viel älter aus, als sie eigentlich sind. So wie das Eilenburger Rathaus, welches sich als Renaissancebau direkt im Herzen der Stadt am Marktplatz befindet. Und dennoch geht die Geschichte dieses Gebäudes teilweise bis in das Jahr 1545 zurück und ähnelt somit dem Alten Rathaus in Leipzig zumindest geschichtlich, wenn beide auch Kilometer weit entfernt sind.

das Eilenburger Rathaus wurde im 2.ten Weltkrieg fast komplett zerstört und wieder aufgebaut
das Eilenburger Rathaus wurde im 2.ten Weltkrieg fast komplett zerstört und wieder aufgebaut

Jene Historie beginnt schon im Jahr 1403 sowie 1404, als ein erstes Rathaus als massives Holzhaus errichtet wurde, welches unter den Bürgern als Kaufhaus bekannt war. Diesem war allerdings kein langes Dasein bestimmt, denn es wurde schon 1413 bei einem Stadtbrannt vernichtet wurde. Auch der zweite Bau eines solchen Gebäudes hatte nur 14 Jahre Bestand und wurde 1535 ebenso durch das Feuer zerstört. Der nachfolgende Neubau auf dessen Grundmauern erfolgte in den Jahren 1544 und 1545 im Stil der Frührenaissance. Dieses 3 geschossige Bauwerk hatte neben einem Keller auch ein ausgebautes Dachgeschoss sowie einen Rathausturm samt einer freischwingenden Glocke. Auch im Kellerbereich waren noch gotisch Elemente sichtbar, welche auf den Vorgängerbau zurück gehen könnten. Verschiedene Umbauten am Gebäude wurden in den Jahren 1896 sowie 1897 und auch einige Zeit später 1934/35 durchgeführt. Bis 1933 war die städtische Sparkasse im Objekt beheimatet und auch die 1686 eröffnete Rats-Trinkstube war im westlichen Teil des Hauses untergebracht, wurde später jedoch zum Ratskeller. Rund 400 Jahre prägte dieses Rathaus das Stadtbild, bis es am 22. April 1945 durch Beschuss der Artillerie zerstört wurde, sodaß nur noch die Aussenmauern standen. Dies geschah als Folge des verstrichenen Ultimatums, welches die Amerikaner zu dieser Schlacht veranlasste. Zuvor hatten sich noch viele Bürger auf dem Marktplatz versammelt, um sich für eine kopflose Übergabe stark zu machen, welche die Militärführung jedoch nicht akzeptierte.

Rathaus Eilenburg mit dem Marktbrunnen
Rathaus Eilenburg mit dem Marktbrunnen

Der Neubau des Rathauses sollte schnell von statten gehen. Jedoch konnte man sich für keinen passenden Entwurf entscheiden und so entschloss sich der Eilenburger Magistrat im September 1946, das Gebäude in seiner alten Erscheinung und unter Wahrung des ehemaligen Charakters der Renaissance, wieder errichten zu lassen. Hierbei entschied man sich aufgrund des größer werdenden Platzbedarfs für eine weitere Etage. Das Gebäude wurde in den Jahren 1946 bis 1949 errichtet, während schon ein Jahr vorher 1948 Richtfest für den Dachstuhl des Satteldachs gefeiert wurde. Für die lange Bauzeit war die problematische Materialbeschaffung verantwortlich. Geschaffen wurde das Gebäude unter Berücksichtigung und Erhalt der Aussenmauern mit einem aus Rochlitzer Porphyr verblendetem Treppenpodest. Im kleinen Erker rechts wurde das Stadtwappen eingefasst, während die Rathausuhr über dem kleinen Balkon über dem Eingang eingefasst wurde. Eine Modernisierung sowie Grundsanierung erfolgte zwischen 1992 und 1994, wobei hier rund 3 Millionen Mark investiert wurden. Auch nach dem Hochwasser im Jahr 2002 musste das Gebäude saniert werden. Während dieser wurde neben einem Fahrstuhl auch ein Bürgerbüro eingerichtet. Ebenso ist das Standesamt im Rathaus beheimatet, hierfür steht der Ratssaal für Eheschließungen zur Verfügung.

Rathaus Eilenburg am Marktplatz 1
Rathaus Eilenburg am Marktplatz 1

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