Wenn es um das Thema der ehemaligen Industriebauten in der Messestadt Leipzig geht, muss man mit Sicherheit nicht lange suchen. Doch dieses Objekt namens Kunstkraftwerk im Stadtteil Neulindenau, bei dem es sich um ein neu gestaltetes Ausstellungs- und Kulturzentrum handelt, sucht in der Stadt und Umgebung seines gleichen. Hier wurde aus einem einstmaligen Heizkraftwerk der alten Straßenbahn ein spirituelles Zentrum gemacht, welches bei groß und klein gleichermassen beliebt ist. Direkt an der Saalfelder Straße 8b gelegen, kann man hier Geschichte und Kultur erleben und das verrät schon allein der Eingang. Doch auch das Gebäude an sich kann eine recht interessante Story erzählen.

einst als Elektrizitätswerk für die Straßenbahn errichtet um 1900 - heute Kunstkraftwerk
einst als Elektrizitätswerk für die Straßenbahn errichtet um 1900 – heute Kunstkraftwerk

In den Jahren 1899 sowie 1900 wurde das Areal für die damalige Große Leipziger Straßenbahngesellschaft bebaut. Zumindest um das Jahr 1900 wurde der Klinkerbau der heutigen Kunsthalle, zur damaligen Zeit als Elektrizitätswerk und Teil des Kraftwerk II, errichtet und in Betrieb genommen. Aus diesem Gebäude wurde der Strom für die Strecken der Straßenbahn im Westen der Stadt geliefert. Vom Gebäude führte ein Gleisanschluss zum nahgelegenen Plagwitzer Bahnhof, der zur Kohleinlieferung diente. Ausserdem waren 5 braunkohlebetriebene Dampfmaschinen mit jeweils einem Gleichstromgenerator, der eine Leistung von 220 Kilowatt lieferte, sowie eine Pufferbatterie mit 1100 Amperestunden im heutigen Industriebau installiert.

Rückseite des alten Industriebaus im Stadtteil Neulindenau neben Plagwitz
Rückseite des alten Industriebaus im Stadtteil Neulindenau neben Plagwitz

Im Jahr 1964 demontierte man die alten Kessel und der Umbau zum Heizwerk als Teil des VEB Energiekombinats Leipzig erfolgte. Hierfür wurden 3 Dampferzeuger vom Typ KWK2 in die Halle eingebaut, welche mit einem mechanischem Schwingschubrost ausgerüstet waren und jeweils 6,5 Tonnen Rohbraunkohle pro Stunde verarbeiten konnten. Doch auch dafür mussten Grundrisse werden verändert und neue Treppen in die heute heutigen denkmalgeschützten Industriehallen eingebaut werden, um den Menschen warmes Wasser zu liefern. Gearbeitet wurde an den Kohleöfen bis zum Schluß im Juli des Jahres 1992, als es plötzlich still in der Fabrik und das Heizkraftwerk abgeschaltet wurde.

der alte Industriebau wurde 1964 zum Heizkraftwerk des VEB Energiekombinats - 2014 Umbau zum Kulturzentrum in Neulindenau
der alte Industriebau wurde 1964 zum Heizkraftwerk des VEB Energiekombinats – 2014 Umbau zum Kulturzentrum in Neulindenau

Erst im Jahr 2012 eröffneten sich mit dem Kauf durch die Investoren Maldinger und Löffler-Mantovani für den alten Bau neue Perspektiven. Viel Arbeit und Schweiß wurde in das Gebäude hineingesteckt, um daraus ein Zentrum für Kunst und Kultur entstehen zu lassen. Hierfür wurden bis 2014 neben einer Gebäudesicherung sowie dem Abbau der verschiedenen technischen Anlagen auch die Elektrik sowie die Fenster erneuert. Ebenso wurde das Dach neu gedeckt und Sanierungsarbeiten an vielen Stellen durchgeführt. In den Jahren 2015 sowie 2016 erfolgte die Umbenennung in Kunstkraftwerk sowie der Start mit einem Zentrum für digitale Kunst und Kultur sowie zeitgenössischem Design auf einer Fläche von 2.300 Quadratmetern für die Besucher.

Kunstkraftwerk - Zentrum für Kultur- und Ausstellung
Kunstkraftwerk – Zentrum für Kultur- und Ausstellung

Diese kamen in Strömen und verhalfen den immersiven Videoinstallationen und 360 Grad Projektionen, welche den Schwerpunkt bilden, zu einem unvergleichlich gutem Ruf. Doch neben den öfter wechselnden Ausstellungen wird das Gebäude auch als Eventlocation und für Kulturevents genutzt. Um jene zu besuchen, stehen direkt davor viele Parkplätze für das Publikum, welches von jung bis alt durchmischt ist, bereit. Man muß einfach selbst da gewesen sein, um die persönliche Begeisterung beschreiben zu können. Denn es gibt neben den tollen Installationen auch die Fundamente der Heizkessel, einen Dampfverteiler, die Förderbänder oder auch die Schaltzentrale, einfach Geschichte zu sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.