Krochhochhaus am Augustusplatz

Das Krochhochhaus am Leipziger Augustusplatz war das erste Hochhaus der Stadt und wurde in den Jahren 1927 sowie 1928 in Stahlbetonbauweise für den jüdischen Bankier Hans Kroch erbaut.

Vogängerbauten und das erste Hochhaus der Stadt

Das erste Hochhaus der Stadt war das Krochhochhaus am Augustusplatz
Das erste Hochhaus der Stadt war das Krochhochhaus am Augustusplatz

Der Vorgängerbau, ein Wohn- und Geschäftshaus mit einem Durchgang, an dieser Stelle der Goethestrasse Nummer 2 wurde 1872 erbaut und Ende der 1920ger Jahre abgerissen. Dazu unten im Text mehr. Da das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste und die Nachbargrundstücke bereits neu bebaut waren, wurde im Jahr 1926 gemeinsam mit dem Bankhaus Kroch und der Stadt ein Wettbewerb ausgelobt, um das Grundstück nur bebauen zu lassen. Von den 69 eingegangenen Voschlägen für ein neues Gebäude setzte sich der Architekt German Bestelmeyer mit seinem Entwurf „Orion“ durch. Dieser beinhaltete ein 12 stöckiges Hochhaus, welches mit Sandstein verkleidet an den Uhrturm Torre dell’Orologio, der von 1496 bis 1499 errichtet wurde, in Venedig erinnern sollte. Doch leider gab es Probleme mit der Baugenehmigung für das Gebäude, da der Leipziger Rat zuerst nur eine Baugenehmigung für eine Bauhöhe von 35,50 Metern sowie 10 Etagen erteilte. Doch German Bestelmeyers Entwurf sah eine Höhe von 43 Metern vor. Daher sollten die letzten 4 Etagen nur als Atrappe aufgesetzt werden, um das Gebäude auf seine bauliche Wirkung in der Stadt prüfen zu können. der Architekt selbst setzte sich am Ende doch durch und somit wurde die Baugenehmigung im Dezember 1927 für eine Bauhhöhe von 43 doch erteilt. Somit wurde das Krochhochhaus am heutigen Leipziger Augustusplatz von 1927 bis 1928 in Stahlbetonbauweise als erstes Hochhaus der Stadt errichtet. Nach der Fertigtsellung zog das Bankhaus Kroch ein.

Besonderheiten am Krochhochhaus

Das wichtigste Merkmal ist neben der Höhe von damals gewaltigen 43 Metern das Schlagwerk mit den beiden Glockenmännern auf dem Dach des Gebäudes. Dieses besteht aus 3 Glocken, welche in der Glockengießerei Schilling & Söhne in Apolda geschaffen wurden. Die beiden links und rechts befindlichen Glockenschlägerplastiken, die vom Bildhauer Joseph Wackerle erschaffen wurden, schlagen die 3 Glocken wie folgt. Die große Glocke wird vom rechten zu jeder vollen Stunde geschlagen, die mittlere Glocke vom linken Glockenmann zum Viertelstundenschlag und die kleine Glocke den eben genannten Viertelstundenschlag ankündigt. Letztere wird von innen angeschlagen. Gleich unter diesem überdimensionalen Schlagwerk steht auf lateinisch OMNIA VINCIT LABOR, was auf Deutsch übersetzt „Arbeit überwindet alles“ heisst. Lässt man den Blick etwas nach unten schweifen, sieht man im 12 Obergeschoss eine Anzeige der Mondphasen, welche links und rechts von 2 Löwenreliefdarstellungen umgeben ist. Die darunter befindliche riesige Turmuhr, deren Zifferblatt ein Durchmesser von 4,30 Metern misst, verursacht den Umstand, dass es in der elften Etage nur 2 von 3 Fenstern gibt.

Krochhochhaus Augustusplatz - Turm mit den zwei 3,30 Meter hohen Glockenmännern
Krochhochhaus Augustusplatz – Turm mit den zwei 3,30 Meter hohen Glockenmännern

Das Gebäude im Wandel der Zeit

Das Kroch-Hochhaus wurde nach der Wende bis 2009 in einem finanziellen Umfang von 4,9 Millionen Euro umfangreich saniert. Im Zuge dessen wurde die Uhrenanlage im Jahr 2008 für einige Zeit ausser Betrieb genommen, da der Pendelschacht neu überarbeitet werden musste. Nach erfolgreicher Sanierung des Gebäudes zogen 2009 das Ägyptologische Institut, das Spracheninstitut der Universität und ebenso das Altorientalische Institut mit einer Bibliothek ein. Auch das Ägyptische Museum „Georg Steindorff“ der Universität Leipzig mit 7000 Fundstücken aus mehreren Jahrtausenden ist seit 2010 darin beheimatet.

Folgend gleich dazu noch die Besucherinformationen mit den Öffnungszeiten

  • Montag – geschlossen
  • Dienstag bis Freitag – 13 bis 17 Uhr
  • Samstag u. Sonntag – 10 bis 17 Uhr
  • Feiertag (außer montags) i.d.R. – 10 bis 17 Uhr

Achso, das Vorgängergebäude mit einem Durchgang, welches abgerissen wurde. An diesem befand sich ein mit einem Glasdach überwölbter Gang, welcher sich ab 1880 unter dem Namen „Theaterpassage“ etablierte. Durch diesen war der Nikolaikirchhof sowie der Augustusplatz auf der anderen Seite verbunden. Auch noch heute kann man, natürlich in veränderter Form, durch die Theaterpassage, die sich im Krochhochhaus befindet, laufen.

Erinnerungstafel an den Architekten German Bastelmayer sowie Bankier Hans Kroch am Krochhochhaus
Erinnerungstafel an den Architekten German Bastelmayer sowie Bankier Hans Kroch am Krochhochhaus

Wer war Hans Kroch, der Bauherr des Hochhauses eigentlich?

Hans Kroch war ein deutsch-jüdischer Bankier, der am 3. März 1887 hier in Leipzig geboren wurde. Schon sein Vater gründete eine Privatbank im Jahr 1877. Bevor er sogar Gründungs- und Aufsichtsratsmitglied der Leipziger Messe- und Ausstellungs-AG war, trat er 1922 in die Bank ein und wurde später persönlich haftender Gesellschafter. Durch seine jüdische Herkunft wurde er in der Progromnacht 1938 durch die Nationalsozialisten verhaftet und in zuletzt in das KZ Sachsenhausen gebracht. Er wurde erst frei gelassen, nachdem seine Familie eine Verzichtserklärung auf das Gesellschaftsvermögen des Bankhauses Kroch abgegeben hatte und die Bank enteignet wurde.

Daraufhin gelang es ihm, mit seiner Familie zu fliehen. Er starb 1970 in Jerusalem. Übringens ist auch die Krochsiedlung im Stadtteil Gohlis auf ihn zurück zu führen, an deren Bau er von 1930 bis 1932 maßgeblich beteiligt war.

Krochhochhaus am Augustusplatz
Krochhochhaus am Augustusplatz

Quelle.
https://de.wikipedia.org/wiki/Krochhochhaus

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