Glasfabrik Leipzig - ehem. VEB Glasgespinst Leutzsch

Auch im Leipziger Stadtteil Leutzsch befinden sich zahllose Industriebauten und leere Zeitzeugen der damaligen Industrialisierung. Nur wenige Gehminuten von der ehemaligen Dietzold-Werke befindet sich das alte Kontergebäude samt Fabrikhalle in der Franz-Flemming-Strasse 25.

erbaut für die Deutsche Holzbearbeitungs-Maschinenfabrik Jacobi & Eichhorn in der Leutzscher Franz-Flemming-Strasse 25 - jetzt als Glasfabrik bekannt
erbaut für die Deutsche Holzbearbeitungs-Maschinenfabrik Jacobi & Eichhorn in der Leutzscher Franz-Flemming-Strasse 25 – jetzt als Glasfabrik bekannt

Die Historie dieser Hallen geht bis in das Jahr 1911 zurück, als die Deutsche Holzbearbeitungs-Maschinenfabrik Jacobi & Eichhorn im selben Jahr in die Hallen einzog. Aus dem benachbarten Lindenau kommend, war die Maschinenfabrik nun in die extra für sie neu errichtete Produktionshalle gezogen, wobei die Franz-Flemming-Strasse zur damaligen Zeit noch Eisenbahnstrasse hieß. Laut Wikipedias Liste der Kulturdenkmäler wurde die Fabrikanlage mit Hauptbau an der Straße sowie die daran angebaute Werkhalle und Schornstein schon um 1895 errichtet. Hergestellt wurden laut einem Flyer aus dem Jahr 1911 Universal-Tischlerei-Maschinen mit Namen wie „Viktoria“, „Hohenzollern II“ oder auch „Habsburg II“ für die Holzbearbeitung.

die alten Fabrikhallen der Holzbearbeitungs-Maschinenfabrik Jacobi & Eichhorn - zu DDR Zeiten VEB Glasgespinst
die alten Fabrikhallen der Holzbearbeitungs-Maschinenfabrik Jacobi & Eichhorn – zu DDR Zeiten VEB Glasgespinst

Das Unternehmen geriet in der Weltwirtschaftskrise arg in Not und musste viele Mitarbeiter entlassen, sodass im Jahr 1935 nur noch 13 gewerbliche Personen u. eine Kontoristin von ehemals 100 Mitarbeitern angestellt waren. Im Hauptgebäude wurden die Räume schrittweise als Wohnungen umstrukturiert. Im zweiten Weltkrieg stellte das Unternehmen die Produktion für die Rüstungsindustrie um und setzte auch Zwangsarbeiter dafür ein. Nach Kriegsende hatte auch Otto Jacobi zu kämpfen und betrieb somit nur noch eine kleine Schlosserei in den Werkshallen, die er sich mit einer anderen Maschinenfabrik und einem Röntgeninstitut teilen musste. Im Jahr 1957 wurde das Gelände samt Hallen dem Sächsischen Glasgespinstfabrik Schulze & Co. zugewiesen.

Glasfabrik Leipzig - ehem. VEB Glasgespinst Leutzsch
Glasfabrik Leipzig – ehem. VEB Glasgespinst Leutzsch

Nach der Enteignung sowie Umwandlung zum VEB Glasgespinst Leipzig wurde das Unternehmen dem Flachglaskombinat mit Sitz in Torgau zugeführt. Kleinere Umbauten und sowie der Bau einer neuen Lagerhalle fanden in den späten 1960iger Jahren statt. Nach der Schließung kurz nach der Wende wurde ein neuer Versuch als „Sächsisches Glaszentrum“ gewagt, welcher jedoch nicht gelang. Leider stand das Fabrikgelände seit Mitte der 1990iger Jahre leer und musste sich Brandstiftungen sowie Vandalismus herumschlagen. Erst im Jahr 2015 erwarben Jasper Goldman und Charles Emmerson aus London das Gelände mit der Idee, das alte Fabrikgelände mit dem Festival STADTTFINDEN für eine kontinuierliche, kulturelle Nutzung zu etablieren.

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