Im Leipziger Stadtteil Reundnitz – Thonberg befindet sich direkt an der Riebeckstraße 63 ein Gebäudekomplex, der eine eher unschöne und dennoch lange Geschichte der Unterdrückung und der Ausgrenzung über Generationen. Auch wenn man es den alten Klinkerbauten nicht ansehen mag, geschahen hier in der damaligen „Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg“ auf einem Areal von gut 28.000 Quadratmetern unmenschliche Dinge, an die täglich aufs neue erinnert werden muß. Doch viel wichtiger ist, dass eben solche nie wieder passieren.

Seit 1892 war die Riebeckstraße 63 ein Ort des Schreckens - hier am Hauptgebäude das St. Georgs Relief
Seit 1892 war die Riebeckstraße 63 ein Ort des Schreckens – hier am Hauptgebäude das St. Georgs Relief

Diese unschöne Geschichte beginnt schon vor 1900, denn die oben genannte Anstalt an der Riebeckstraße öffnete ihre Pforten bereits 1892 noch im Kaiserreich, während der damals amtierende Bürgermeister Otto Georgi am 8.ten November selbst den Komplex weihte. Schon zu dieser Zeit wurden hier Menschen zur Abbüßung einer Schuld eingewiesen, kurzum sollte der Ort zur sittlichen Besserung sowie Disziplinierung dienen. Dabei wurden die Insassen neben einem Obdachlosenhaus auch einem Arbeitshaus sowie anderen Bauten beherbergt. Eine Aberkennung des alten Namens zugunsten eines Neubaus in „Städtische Arbeitsanstalt“ erfolgte im Jahr 1909, wobei die Verhältnisse in jener auch nicht besser wurden.

Auch als die Nazis an die Macht kamen, wurde die Situation auf dem Areal eher schlimmer und der Ort ab 1933 zum Verteiler für die Struktur der rechten Gesinnung. Schon 3 Jahre später wurden Sinti und Roma ab 1936 in die Anstalt eingewiesen, ausserdem war dort ein Sammlungsort für diese gemeinsam mit Juden vor der Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Auf dem Gebiet der Anstalt war auch ein Gefängnis vorhanden, in dem neben Zwangsarbeitern auch politische Gefangene verwahrt wurden. Ausserdem war zu Zeiten des Nationalsozialismus die Riebeckstraße 63 ein Ort für Verbrechen der Euthanasie (Erklärung am Abschluss des Textes).

Die "ehem. Städtische Arbeitsanstalt" in der Riebeckstrasse 63 - hier das Haupthaus
Die „ehem. Städtische Arbeitsanstalt“ in der Riebeckstrasse 63 – hier das Haupthaus

Zu DDR Zeiten erfuhr das Gelände keine Besserung, da ein „Heim für soziale Betreuung“ in den Gebäuden beheimatet war, welches später in „Sozialheim“ umbenannt wurde. Ebenso war eine Außenstelle des Bezirkskrankenhauses für Psychiatrie und Neurologie Leipzig-Dösen seit dem Jahr 1971 ansässig. Nicht weniger schlimm muß die Venerologische Station für Frauen auf dem Gelände gewesen sein, in der Mädchen und Frauen gegen ihren Willen gynäkologisch auf Geschlechtskrankheiten untersucht worden sind.

Heute erfährt das Gelände sowie die Menschen die es besuchen, hoffentlich einen besseren Sinn. Denn der städtische Eigenbetrieb beheimatet hier eine Behindertenhilfe. Darüber hinaus beherbergen die Gebäude einen Kindergarten sowie andere soziale Projekte. Doch nicht nur das, denn der Initiativkreis Riebeckstraße 63 versucht mit aller Macht, an die Verbrechen die auf dem Areal geschehen sind, zu erinnern. Übrigens sollte das Relief über dem Eingang des Verwaltungsgebäudes an den Vorgängerbau, das Georgenhaus, gedenken.

Der Begriff „Euthanasie“ beschreibt die sogenannte Rassenhygiene des NS – Regimes, welche im Oktober 1939 durch Adolf Hitler erlassen wird. Jener Erlass billigt die Tötung von hunderttausenden psychisch kranker sowie behinderten Menschen.

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