Neben den vielen anderen Industriebauten wie der Glasfabrik oder den Dietzold-Werken gibt es auch noch andere Zeugen der Industrialisierung in diesem Leipziger Stadtteil Leutzsch. Und was für ein Zufall, auch die alten Bauten des heutigen Beitrages befinden sich in der Franz-Flemming-Straße, diesmal in der 41. Heute geht es sogar um den Namensgeber dieser Straße, dessen Fabrik zur Herstellung von Mechanik als Hauptbestandteil eines Klavieres hier beheimatet war. Leider ist im Mai 2020, wie auch lange davor, nur noch der Kopfbau der alten Fabrik vorhanden.

Kopfbau der alten Flügel- und Pianomechaniken-Fabrik in der Franz-Flemming-Strasse 41
Kopfbau der alten Flügel- und Pianomechaniken-Fabrik in der Franz-Flemming-Strasse 41

Der aus Leutzsch stammende Hermann Franz Flemming (1848 – 1938) gründete schon im Jahr 1874 seine Flügel- und Pianomechaniken-Fabrik. Das noch vorhandene Hauptgebäude wurde lt. Wikis Liste der Kulturdenkmale wohl erst im Jahr 1895 erbaut. Produziert wurden zu jener Zeit Mechaniken für Flügel und Pianinos und Teile für Flügel und Pianino-Mechaniken. Wobei nicht sicher ist, ob diese zur Gründungszeit schon im Leutzscher Werk hergestellt wurden. Zumindest waren in den 1920iger Jahren rund 250 im Unternehmen beschäftigt und Flemming wurde von seinem Sohn Walther als Mitinhaber unterstützt. Die hergestellten Bestandteile des Klaviers erreichten neben Kunden in der DDR auch jene in ganz Deutschland, während ein Hauptabnehmer direkt eine Hausnummer weiter saß, nämlich das Dampfsägewerk der Pianofortefabrik Julius Blüthner in der 39.

Industriebauten in Leutzsch - nach einem Brand 1999 war von der Pianoforte-Mechanik-Fabrik nicht mehr viel übrig
Industriebauten in Leutzsch – nach einem Brand 1999 war von der Pianoforte-Mechanik-Fabrik nicht mehr viel übrig

Übrigens waren jene die einzigen, welche Klaviermechaniken in der DDR hergestellt haben. Nach dem Tod des Flemming Seniors im Jahr 1938, der 1914 sogar zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt wurde, übernimmt Ehefrau Ida die Geschäfte. Auch nach dem 2.ten Weltkrieg wird im Werk weiter produziert, jedoch unter dem Namen H. F. Flemming KG. Erst ab 1978 firmierten die Werke in Leutzsch unter „VEB Deutsche Piano-Union Leipzig, Werk Leipzig-Leutzsch, Flügel- und Pianomechaniken“. In diesen Jahren waren wohl ca. 180 Mitarbeiter am Standort tätig. Zur Wendezeit sollen es nur noch 78 gewesen sein, nach der Pleite wurde die Fertigung nach 1990 eingestellt. Ab diesem Moment ging es mit den Fabrikhallen bergab, da diese sich selbst überlassen wurden.

Hauptgebäude der ehemaligen Pianoforte-Mechanik-Fabrik H. F. Flemming in Leutzsch
Hauptgebäude der ehemaligen Pianoforte-Mechanik-Fabrik H. F. Flemming in Leutzsch

Aufmerksamkeit erhielt das Werk vorhandene im Januar des Jahres 1999 durch einen Großbrand, nach dem nur noch Ruinen wie das ehemalige Hauptgebäude übrig blieben. Heute erinnert neben dem Kopfbau nur noch die gleichnamige Straße an Flemming. Hoffentlich bleibt dieses Gebäude als Monument der Industrialisierung erhalten und wird einem besseren Zustand als dem jetzigen zugeführt.

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