Die Messestadt hat ja einiges zu bieten und gerade an alten Leipziger Industriebauten mangelt es rein garnicht. Im jetzigen Stadtteil Mölkau befindet sich noch heute im Jahr 2020 ein Gebäude, welches einst zu einem riesigen Areal gehörte. Genau dieses erzählt allerdings eine Geschichte aus Zeiten der Industrialisierung der Messestadt in diesem Viertel, als ausser einigen Häusern und der damaligen Maschinenfabrik Robert Kiehle auf dieser Flur noch nichts zu finden war. Genau um diese alte Maschinenfabrik, welche sogar bis kurz nach der Wende auf rund 20.000 Quadratmetern noch Bestand hatte, geht es in diesem Beitrag.

Übrig gebliebenes Wohnhaus aus dem 1900 Jahrhundert an der Paunsdorfer Strasse 70
Übrig gebliebenes Wohnhaus aus dem 1900 Jahrhundert an der Paunsdorfer Strasse 70

Die Geschichte des Julius Robert Kiehle beginnt schon im Jahr 1859, als dieser seine Fabrik begründete und dies wahrscheinlich kurze Zeit später sogar schon als Königlich Sächsischer Hoflieferant in Leipzig tat. Jedoch konnte man leider nirgendwo finden, ab wann sich die Firma so nennen durfte. Auch wer Kiehle wirklich war, wann er geboren wurde, keine Ergebnisse hierzu. Gefunden habe ich jedoch, dass sich Kiehle selbst nach dem Tod seines Sohnes im Jahr 1885 noch im selben Jahr aus dem Geschäft zurückzog. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kaufte Karl Ludwig Knauer in diesem Zeitraum die Fabrik und expandierte. Auf Grund von Platzmangel ließ Knauer auf dem heutigen Areal an der Paunsdorfer Strasse 70, welches sich zur damaligen Zeit noch vor den Toren der Stadt befand, neue Werkhallen und andere Gebäude errichten.

vergessenes Wohnhaus an der Paunsdorfer Strasse 70 - erbaut um 1900, gehörend zur damaligen Nähmaschinenfabrik Robert Kiehle
vergessenes Wohnhaus an der Paunsdorfer Strasse 70 – erbaut um 1900, gehörend zur damaligen Nähmaschinenfabrik Robert Kiehle

Nach der Fertigstellung zog die gesamte Fabrik im August des Jahres 1896 an den neuen Standort. Trotz der Übernahme Knauers änderte sich der Name des Unternehmens nicht und somit wurde man anfangs als Nähmaschinenfabrik Robert Kiehle Mölkau am Bahnhof Paunsdorf – Stüntz mit der Herstellung eben solcher bekannt. Auch eine eigene Dampfmaschine der Firma Ruprecht war vor Ort im Einsatz. Man warb neben dem Hauptprodukt auch für Maschinen für die Schuh- und Schäftefabrikation, Sack- und Planenmaschinen, Wachs- und Ledertuchmaschinen, Maschinen für Filzwagenfabriken oder auch Gummiwarenfabriken. Ein Inserat aus dem Leipziger Adressbuch von 1917 beschreibt Knauer als Inhaber der Fabrikation, wobei sich das Verkaufsbüro befand sich zu dieser Zeit in der damaligen Kurprinzenstraße 11, welche heute als Grünewaldstrasse bekannt ist. Nach dem Tod des Inhabers Karl Ludwig Knauer bleibt ohne Informationen wieder einiges unklar, ausser das dieser eine wohltätige Stiftung gründete, welche Mölkauer Schulkindern helfen sollte. Ebenso ist eine heute im dortigen Stadtteil eine Strasse nach ihm benannt.

Nach dem 2.ten Weltkrieg wurde die Fabrik verstaatlicht, während allerdings alle Maschinen für Reparationsleistungen durch die Mitarbeiter abgebaut werden mussten. Ab 1949 findet man auf dem riesigen Areal an der damaligen Hugo-Axt-Str. neben der MASCHUSA Mölkau (einen Zweigbetrieb der VEB Textima) auch den Eisenbau Kommunalbetrieb vormals Georg Werner Stahlfenster und Türen. Aus letzterem wurde später der VEB Fahrzeug und Transportgeräte, welcher neben Anhängern auch die sogenannten „Dumper“ herstellte. Besondere Bekanntheit erlangten die Fahrzeuge mit den Namen „Picco“ sowie „Waran“.

Wohnhaus der ehemaligen Maschinenfabrik Robert Kiehle in Mölkau
Wohnhaus der ehemaligen Maschinenfabrik Robert Kiehle in Mölkau

Leider überlebte der Betrieb die Wende nicht und wurde aufgelöst, sodass nur noch die Fabrikhallen übrig blieben. In diesen war nach der politischen Wende auch die Leipziger Spitzen GmbH & Co, Produktions KG beheimatet, doch ab Mitte der 90.iger Jahre herrschte Stille in den Hallen. Ein Artikel der LVZ aus dem Jahr 2005 über die Sicherung der alten Hallen und das die Walter Fürst GmbH das Areal im Jahr 1991 erwarben. Offenbar wurde das Gelände für wenig Geld verkauft und stand nun 2005 total vermüllt da. Die GmbH, welche die Fläche verkaufen wollte, sei jedoch schon vor dem Artikel in Konkurs gegangen. Nach dem Abriss aller Fabrikationshallen nebst der Villa des Besitzers blieb nur noch ein Wohnhaus übrig, welches um 1900 erbaut wurde. Eingebettet in das Areal eines neuen Unternehmens wartet dieses wohl unter Denkmalschutz stehende Gebäude auf bessere Zeiten.

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