Gerade der Leipziger Stadtteil Plagwitz ist für seine Industriebauten bekannt, da dieses Viertel wie in kein anders durch die Industrialisierung geprägt wurde. Auch in der Gießerstraße, diesmal die Nummer 29, befinden sich solch alte Fabrikhallen, welche längst modernisiert sowie umstrukturiert wurden und dennoch ihre altes Gewand behielten. So wie die alten Fabrikhallen der einstigen Eisengroßhandlung und Eisenbau C. F. Weithas, welche hier in der Gießer- bzw. Ecke Markranstädter Straße beheimatet war.

Industriebauten im Stadtteil Plagwitz wie diese - ehemalige Eisengroßhandlung und Eisenbau C. F. Weithas Nachfolger
Industriebauten im Stadtteil Plagwitz wie diese – ehemalige Eisengroßhandlung und Eisenbau C. F. Weithas Nachfolger

Die Geschichte dieses Unternehmens beginnt allerdings schon viel früher mit der Errichtung einer Eisenhandlung am Neumarkt im Jahr 1817 und war ausserdem in den 1820iger Jahren an der Herstellung einer Druckerpresse beteiligt. Mitte der 1900er Jahre errichtete Weithas auch eine Wollkämmerei auf dem Rittergut Mühlbach bei Wurzen, welches er 1840 erwarb. Zum Namen „C. F. Weithas Nachfolger“ kam es im Jahr 1852, als der Eigentümer die Eisenhandlung an Heinrich Moritz Bering und Conrad Alfred Thieme überschrieb. In diesem Zeitraum war man noch mit einer Verzinkerei und einem Wellblechwalzwerk in Lindenau beheimatet. Auch der spätere Unternehmer Wilhelm Frosch, welcher 1889 Fa. Grohmann & Frosch gründete, arbeitete bei 1885 bei Weithas.

alte Gebäudebrücke an der Gießerstraße 29
alte Gebäudebrücke an der Gießerstraße 29

Im Jahr 1892 beschäftigte der Betrieb rund 80 Mitarbeiter. Ab 1895 siedelte sich die Firma dann in Plagwitz an, wobei sich das Unternehmen selbst eine freitragende Wellblechhalle errichten wollte, welche auch schon ein halbes Jahr später fertiggestellt war. Im Jahr 1905 wurde ein „Lokomobile-Schuppen“ mit Schornstein gebaut, in dem ab 1906 ein Elektrizitätswerk arbeitete. Anlass dafür war die Einstellung des Stromes des benachbarten Schumannschen Electrizitätswerkes (heute Spreadshirt). Die noch heute vorhandene Fabrikhalle an der Gießerstraße, welche bis in die Markranstädter Straße hinein reicht, wurde in den Jahren 1910 bis 1912 errichtet und als Montagehalle genutzt. Das besondere an dieser ist die Fassade mit der großen Fensterfront. Noch im selben sowie darauf folgenden Jahr wurden ein Gebäude zur Unterbringung für die in der Fabrik tätigen Meister sowie Gesellen und 1928 eine durch die Architekten Kleitz & Zimmer projektierte Wellblechbaracke für Arbeiter und ein Arbeiterwohlfahrtsgebäude errichtet.

auch das Gelände in der Markranstädter Straße gehörte zur damaligen Eisengroßhandlung C. F. Weithas
auch das Gelände in der Markranstädter Straße gehörte zur damaligen Eisengroßhandlung C. F. Weithas

Das Gebäude an der Markranstädter Straße 8, in dem sich die Unternehmensverwaltung befand, wurde schon um 1890 errichtet, wobei das Grundstück erst 1918 an das Unternehmen ging. Im Jahr 1937 wurde die große Montagehalle samt Kranbahn um ganze 23 Meter verlängert. In den Kriegsjahren brannten Teile der Firma als Folge der Bombardierung ab, währenddessen die heute noch übrig gebliebenen Gebäude wohl weitgehend verschont wurden. Kurz nach dem 2.ten Weltkrieg ging die Eisengroßhandlung Weithas Nachf. in Volkseigentum über und in den Jahren 1948 bis 1950 wurde die Firma an den VVB Eisenkontor Leipzig überführt. Kurz nach dem Krieg waren dort um 1947 ca. 100 bis 115 Beschäftigte angestellt, welche im Handel sowie Stahlbau arbeiteten. Zu DDR Zeiten wurde das gesamte Areal ab 1950 vom VEB Schwermaschinenbau S. M. Kirow genutzt und eingegliedert.

das Gebäude mit der Klinkerfassade in der Markranstädter Str. 8 wurde in den Jahren 1890 erbaut, jedoch nicht von Weithas
das Gebäude mit der Klinkerfassade in der Markranstädter Str. 8 wurde in den Jahren 1890 erbaut, jedoch nicht von Weithas

Kurz nach der Wende wurde die Fläche der ehemaligen C. F. Weithas Nachfolger Mitte der 1990iger Jahre vom Münchner Investor Manfred Rübesam aufgekauft. In der verlängerten Montagehalle ist auch im Juli 2020 noch das sogenannte Jump-House beheimatet, während der vordere Teil seit 2016 vom Mütterzentrum e.V. für ein Upcycling-Projekt genutzt wird. Und wieder freuen wir uns, dass die alten Bauten der Industrialisierung wie diese oder auch der Schlothof in unmittelbarer Nähe noch erhalten geblieben sind.

ehem. Eisengroßhandlung und Eisenbau C. F. Weithas in der Gießerstraße 29 Plagwitz - hier die repräsentative Montagehalle aus dem Jahr 1910 bis 1912
ehem. Eisengroßhandlung und Eisenbau C. F. Weithas in der Gießerstraße 29 Plagwitz – hier die repräsentative Montagehalle aus dem Jahr 1910 bis 1912

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