Ja, auch im Leipziger Stadtteil Eutritzsch gibt es neben der Christuskirche oder dem ehemaligen Rathaus ebenso Industriebauten aus dem letzten Jahrhundert oder sogar noch davor wie die Gebäude der Buntgarnwerke in Planwitz. Dieses hier befindet sich in Ecklage an der Berliner Straße 69 / Apelstraße und kann gemeinsam mit dem damaligen Eigentümer eine kleine aber dennoch lebendige Geschichte erzählen.

errichtet für die Fahrradfabrik der Lipsia-Fahrrad-Industrie-AG um 1900 an der Berlinder Strasse 69, später für die Herstellung von Tresore sowie Geldschränke genutzt
errichtet für die Fahrradfabrik der Lipsia-Fahrrad-Industrie-AG um 1900 an der Berlinder Strasse 69, später für die Herstellung von Tresore sowie Geldschränke genutzt

Doch die Geschichte der Carl Kästner Geldschrank- und Tresorherstellung begann viel früher, denn schon im Jahr 1823 gründete der gleichnamige Besitzer und Schlossermeister Kästner sein Unternehmen zur Herstellung von Tresoranlagen sowie Geldschränken in der Messestadt. Auch in der Metallwarenfabrikation war die Firma tätig und so stellte man neben dem Hauptgeschäft auch Regale, Türen, sogar Fenster aus Stahl her und exportierte nicht nur diese in die ganze Welt. Der Konzern schaffte im Dezember 1900 sogar die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und wurde bis in das Jahr 1927 auch als diese amtlich notiert. Das Gebäude in Eutritzsch wurde um die Jahrhundertwende 1900 errichtet und zeigt die schöne zeittypische Klinkerfassade, welche der letzten Gründerzeit zuzuschreiben ist. Errichtet wurde dieses allerdings als Fahrradfabrik der Lipsia-Fahrrad-Industrie-AG, welche allerdings von der Kästnerschen AG geschluckt wurde. Gut zu erkennen ist das Abbild des Fahrradfahrers über dem Eingang. Also wurden ab 1900 bzw. 1901 im Gebäude ebenfalls Tresore und Geldschänke hergestellt. Den zweiten Weltkrieg überstand der Industriebau leider nicht unbeschadet, da jegliche Fenster und auch das Ich bei einem Angriff mit Brandbomben 1943 zerstört wurden.

gut zu erkennen ist die Skulptur des Radfahrers am Gebäude der Berliner Straße, ab 1900 bzw. 1901 war die arl Kästner Geldschrank- und Tresorherstellung im Haus beheimatet
gut zu erkennen ist die Skulptur des Radfahrers am Gebäude der Berliner Straße, ab 1900 bzw. 1901 war die arl Kästner Geldschrank- und Tresorherstellung im Haus beheimatet

Kurz danach wurden im Keller sowie den beiden ersten Etagen unter dem neuen Namen „SFL“ Stahlschrankfabrik „Feuerfest“ als VVB, beziehungsweise VEB eher alltägliche Dinge wie Kochplatten und andere Küchengeräte produziert, bevor man sich wieder der Fertigung von Blechschränken und Kassetten widmen konnte. Letztendlich firmierte man als VEB Blechverarbeitungswerk, welches dem Kombinat Polygraph „Werner Lambert“ unterstellt war. Während die Firmen DGL-Pressler, welche sich mit der Herstellung von Glimmröhren und Fotozellen beschäftigten, sowie Visomat sich die 2. Etage teilten, war in der dritten Etage ein Unternehmen zur Herstellung von Arbeitskleidung beheimatet. Nach der Wende wurde das Gebäude einer Renovierung unterzogen und strahlt auch noch heute in neuem, alten Glanz. Auch die Skulptur des Radfahrers ist in der 5.ten Etage erhalten geblieben und blickt auf die Berliner Straße. Schon viele Jahre hat sich das Unternehmen „Bollerfritze“ eingemietet, welches zum Tagesausgleich neben Bowling auch Speisen sowie Getränke anbietet.

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