Gerade die Messestadt Leipzig hat viele Sehenswürdigkeiten und auch Monumente zu bieten. Neben dem bekannten Völkerschlachtdenkmal im Herzen der Stadt gibt es auch in einem etwas ausserhalb gelegenen Stadtteil Lützschena-Stahmeln ein solches Denkmal, welches an den damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck erinnern soll und aus diesem Grund auch Bismarckturm genannt wird. Jenes Monument kann gemeinsam mit der davor befindlichen Linden-Allee auf eine mehr oder weniger bewegende Geschichte zurückblicken, auch wenn es vielleicht etwas vergessen und allein da steht. Dabei handelt es sich um nur einen von 150 Gedenkstätten in ganz Deutschland, die an den damaligen Kanzler erinnern sollen.

Bismarckturm als Aussichtspunkt mit einer Höhe von 30,75 Metern
Bismarckturm als Aussichtspunkt mit einer Höhe von 30,75 Metern

Schon im September 1913 wurde der erste eingetragene Bismarckverein der Stadt gegründet, der sich für die Errichtung eines Denkmals für den damaligen Reichskanzler mit Hilfe von Spendengeldern stark machte. Hierbei setzte sich ganz besonders der Rauchwarenhändler und Kürschnermeister Otto Erler für den Bau des Turmes ein, welcher ausserdem ein Grundstück für diesen umsonst zur Verfügung stellte. Die Grundsteinlegung fand am 1. April 1914 statt, wobei der Turm schon ein Jahr später 1915 am selben Datum feierlich eingeweiht werden konnte.

Erinnerung an den damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck - einer von 230 Türmen in Deutschland
Erinnerung an den damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck – einer von 230 Türmen in Deutschland

Errichtet wurde ein Denkmal mit einer Gesamthöhe von 30.75 Metern nach Plänen des Architekten Hermann Kunze und einem Preis von 63.000 Mark. Das aus Stampf- und Eisenbeton bestehende Monument besteht aus 3 nach oben hin verjüngenden Schäften, die verschiedene Höhen aufweisen

  • 10,20 m (Unterschaft)
  • 12,45 m (Mittelschaft)
  • 8,10 m (Oberschaft)

Ganz markant und gut sichtbar ist die Feuerschale ganz oben, welche einen Durchmesser von gut 2 Metern aufweist. Wer sich auf die obere Aussichtsterrasse begeben möchte, muss über den 5 Meter breiten sowie ca. 30 Meter langen Vorplatz und danach 124 bewältigen, um einen wunderbaren Ausblick zu erhaschen. Bereits bis zum Jahresende 1915 konnten 32.000 beachtliche Menschen gezählt werden, die das Ehrenmal besuchten, wobei der Verein schon einige Jahre später nach beendeter Liquidation erlosch.

Eingang in den Bismarckturm im Ortsteil Hänichen
Eingang in den Bismarckturm im Ortsteil Hänichen

Nach dem 2.ten Weltkrieg verlor der Turm seine Bedeutung und musste sogar eine Umbenennung in „Turm der Freundschaft“ über sich ergehen lassen. Offenbar kümmerte sich niemand mehr um das Gebäude und verwahrloste zusehends, sodass die Aussichtsterrasse für Besucher gesperrt wurde. Erst im Jahr 1994 wurde das Monument von der Stadt durch die Gemeinde, welche erst ab 1999 zur Stadt Leipzig gehörte, abgekauft und einer Restaurierung unterzogen. 3 Jahre später konnte man diesen seit März 1997 wieder als Aussichtspunkt nutzen, wobei im selben Jahr in neuer Verein begründet wurde, welcher sich um die Kulturstätte am Schrägweg 35 kümmert. Auch für Veranstaltungen wird das Memorial genutzt und somit finden jährlich verschiedene Events und Festlichkeiten statt.

Bismarckturm in Lützschena-Stahmeln
Bismarckturm in Lützschena-Stahmeln

Die Lindenallee, welche zum Aussichtspunkt führt, wurde ebenso in den Erbauungsjahren 1914 sowie 1915 als direkte Sichtachse gepflanzt und besteht aus 100 Krim-Linden, welche seit 1973 als Naturdenkmal unter besonderem Schutz stehen. In den Sommermonaten sind die Pforten des Denkmals jeden Sonntag Mai bis September von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet, wobei in der übrigen Zeit nur jeden ersten Sonntag geöffnet wird. Ein Entgelt von 2.00 Euro für Erwachsene, Kinder 0.50 Euro muss für ein Besteigen des Aussichtspunktes bezahlt werden.

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